Merkwürdiges Gastspiel einer merkwürdigen Gruppe

In Umkirch versammelten sich ein “vorläufiger Reichspräsident” und ein Häuflein seiner Getreuen

UMKIRCH (bbe). Sie haben einen vorläufigen Reichspräsidenten gewählt, der seit 2003 im Amt ist. Denn “Kommissarische Reichsregierungen” gehen davon aus, dass das Deutsche Reich in den Grenzen von 1937 völkerrechtlich bis heute fortbesteht. Die Bundesrepublik halten sie aus völker- und verfassungsrechtlichen Gründen für illegal. Jetzt versuchte die Gruppierung “Deutsches Reich” auch im Raum Freiburg Anhänger zu gewinnen. Verboten ist das zwar nicht. Aber solche Veranstaltungen locken nach Ansicht des Verfassungsschutzes Rechtsextreme an.

Rund 20 Interessierte kamen nach BZ-Information zu dem Vortrag des “vorläufigen Reichspräsidenten” Matthes Haug aus Tübingen. Treffpunkt waren Büroräume im Umkircher Gewerbegebiet. Ursprünglich wollte sich die kommissarische Reichsregierung in einer Gaststätte treffen, die aber kurzfristig absagte. Das Büro gehört einem Vertragspartner einer fränkischen Firma, die Reinigungsmaschinen herstellt. “Wir haben 800 freiberufliche Mitarbeiter” , rechtfertigt sich der Geschäftsführer der Firma auf Nachfrage der BZ. In keinem Fall will er sein Unternehmen mit rechtsextremen Gruppen in Zusammenhang gebracht wissen: “Wir haben damit nichts zu tun.” Er höre von der Sache zum ersten Mal und werde unverzüglich seinem Geschäftspartner in Umkirch mitteilen, dass er nicht weiter mit ihm zusammenarbeite, sollte sich der Vorfall wiederholen. Auch der Umkircher Mitarbeiter habe beteuert, von der Sache nichts gewusst zu haben, berichtet der Geschäftsführer: “Er war an diesem Abend gar nicht da und hat den Schlüssel einem Bekannten überlassen, der sich dort mit Geschäftspartnern treffen wollte.” Von dem Bekannten habe er noch nicht einmal den Vornamen gekannt. Im Büro in Umkirch kann indes der Eindruck entstehen, dass der Mann doch etwas zu verbergen hat. Als die BZ den Mitarbeiter aufsuchen wollte, da er nicht unter dem Namen der fränkischen Firma im Telefonbuch steht, öffnete der Mann die Bürotür nach dem Klingeln nicht, sondern schrie nur: “Was wollen sie?” Schließlich öffnete er die Tür - die allerdings zweimal von innen verschlossen war.

“Wirklich rechtsextrem ist die Gruppierung ,Deutsches Reich’ nicht” , schätzt Christoph Grammer vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg die kommissarische Reichsregierung ein: “Aber sie haben solche Tendenzen.” Bei der Veranstaltung in Umkirch soll der “vorläufige Reichspräsident” zum Beispiel gesagt haben, Hitler sei vom Volk gewählt worden, seine Herrschaft sei eine Regierung wie jede andere auch. Insgesamt hält der Verfassungsschutz die Ansichten der kommissarischen Reichsregierung aber für so überzogen, dass der Normalbürger darauf in der Regel nicht hereinfalle. “

In Deutschland gibt es nicht nur eine, sondern etliche kommissarische Reichsregierungen (KRR), die alle aus einer einzigen Reichsregierung hervorgegangen sind, die sich 1985 in Berlin gründete. Im Laufe der Zeit zerstritten sich einzelne Mitglieder mit dieser “Regierung” und gründeten eigene KRR. Die Zahl der “Reichsregierungen” lässt sich allerdings nicht feststellen, da manche Gruppen andere Namen tragen.

Nach BZ-Informationen plant die Gruppierung “Deutsches Reich” weitere Veranstaltungen in der Region.


Badische Zeitung vom Freitag, 10. März 2006