Glückliche Gesichter

Freiburg: Die Band Superpunk aus Hamburg im Jos-Fritz-Café

Superpunk ist die Band, die derzeit noch jeden kleinen Club in der Republik zum Überlaufen bringt, das war jetzt im Freiburger Jos-Fritz-Café nicht anders. Der Schlauch war voll bis zum Anschlag, bisweilen stapelten sich die Zuschauer zweistöckig: auf Schultern und Händen.

Die Hamburger Band Superpunk wurde 1995 als Party-Spaß-Projekt gegründet, mit Punk hatten die unterschiedlichen Besetzungen trotzdem nie viel am Hut. 60s-Soul und Beat mit feister Orgel und knackigen Gitarrenriffs hieß stets die Devise, das dritte Album "Einmal Superpunk, bitte!" brachte den entscheidenden Kick. Wobei Carsten Friedrichs Stimme mit Soul zu assoziieren immer noch einige Fantasie erfordert: Er bellt mehr als er singt, am lustigsten klingt das bei der Coverversion von Bobby Womacks "It’s all over now", die in reinstem Denglisch daherkommt.

Ansonsten singen Superpunk sowieso deutsch. Und stehen dabei in einer langen Tradition von Hamburger Bands, die sich in schicke Secondhandanzüge kleiden, mit reichlich coolem Insider-wissen geschmackvolle Musik machen und gar nicht blöde Texte schreiben.

"Manchmal kann man im Alltag erleben, wie gut ein Superpunk-Lied ist", sagt Frontmann Friedrichs. Zur Begrüßung gibt es die Mär von einem winzigen Terrier, der ihn packen wollte. Die Oma an der Leine sagte nur "Pfui, bäh" zu ihrem Hündchen und nicht etwa: "Lass den netten Herrn in Frieden". Witzig, ja, doch das anschließende Lied ist nicht ironisch gemeint: "Ich mag den Mann nicht, der ich bin". Selbstzweifel und Unbehagen kommen immer gut, wo heutzutage alles super sein muss.

Und dann haben Superpunk auch Geschichten in petto wie die von den beiden Zahnlosen, die aus Geldmangel zu Entführern werden. "Ich wollt nur neue Zähne für meinen Bruder und mich" ist der Gassenhauer des sozialdemokratischen Realismus, der Refrain hat Mitgröl-Qualitäten, die man sonst nur noch bei den Toten Hosen findet. Aber die saturierten Punk-Opas haben weder den Charme der Hamburger noch die Orgel, keinen so eigensinnig altmodischen Sound und am allerwenigsten einen so gnadenlos vorwärts marschierenden Backbeat. Die Betonung auf der Zwei musste in den 60ern jede anständige Kapelle beherrschen - und sie bringt auch heute noch jeden zum Tanzen.

"Ich weigere mich aufzugeben, denn es gibt nur ein Leben" heißt es in der wohl schönsten Durchhaltehymne von Superpunk. So ein euphorisiertes, glückliches Publikum sieht man selten nach einem Konzert.

Joachim Schneider


Quelle: Badische Zeitung vom Dienstag, 18. Januar 2005