Dies war der Redebeitrag der KTS auf der Demonstration für den Verbleib der Ex-Steffi am 11. Februar 2006 in Karlsruhe.

Die KTS in Freiburg will und wird nicht das einzige Autonome Zentrum in Baden-Württemberg sein!

Schon seit geraumer Zeit drängt sich uns der Eindruck auf, dass AZs in Süddeutschland immer mehr vom Aussterben bedroht sind. Wenn wir zwei Jahre zurück blicken, befand sich die KTS in einer sehr ähnlichen Situation wie jetzt die Ex-Steffi. Die Deutsche Bahn kündigte den Mietvertrag fristlos und somit stand die Zukunft der KTS in den Sternen. Nur durch vielfältige und kreative Aktionen, an denen sich auch die Ex-Steffi beteiligte, und Aufbau eines öffentlichen Drucks auf die Stadtverwaltung, konnte der Erhalt der KTS gesichert werden.

Doch trotzdem herrscht im ach-so-toleranten und weltoffenen Freiburg keine heile Welt, wie der seit Monaten dauernde Konflikt um die Wagenburg der Freiburger Schattenparker zeigt. Diese verließen ihren, von Seiten der Stadt nur ungern geduldeten Platz, um einer Räumung zu entgehen. Seitdem sind über 30 Menschen obdachlos, da die Stadtverwaltung die Wagen beschlagnahmen ließ und sich weigert, sich an einer konstruktiven Lösungssuche zu beteiligen. Stattdessen werden die WagenbewohnerInnen und deren UnterstützerInnen kriminalisiert und durch unverhältnismäßige Polizeiaufgebote belästigt.

Die Bedrohung des AZs ist allerdings 130 km nördlich gewandert und gefährdet jetzt die Existenz der Ex-Steffi. Auch hier soll ein Freiraum, in dem emanzipatorische, linke Politik und unkommerzielle Subkultur einen Platz finden, den kapitalistischen Verwertungslogiken weichen. Mit einem geradezu beeindruckenden Ausmaß an Scheinargumenten und Hinhaltetaktiken versucht die Stadt der Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, es gäbe anderweitige, sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten für das sogenannte "Filetstück am Hauptbahnhof". Fakt ist jedoch, dass auch nach jahrelangen Anstrengungen kein Investor gefunden werden konnte. Dies zeigt schlichtweg, dass es die Ex-Steffi an sich ist, die aus dem Stadtbild verschwinden soll. Selbstbestimmtes Wohnen und Leben ist weiterhin mehr als nur unerwünscht und scheint einem Großteil der Karlsruher Öffentlichkeit schon fast Angst einzujagen.

Wie sehr diese nämlich am Verschwinden der Ex-Steffi interessiert ist, zeigt sie dadurch, dass sie im Hauptausschuss generös 1 Mio € für die Räumung und den Abriss des Gebäudes zur Verfügung stellt. Soviel Engagement, Vorausdenken und Planungsfreude hätten wir uns stattdessen bei der Suche nach einer annehmbaren Lösung für die Ex-Steffi gewünscht, lieber Herr Fenrich! Dieses absurde Verhalten, was gelinde ausgedrückt weit unterhalb der Kotzgrenze liegt, ist natürlich nichts Neues.

Wie überall, musste auch in in der Vergangenheit in Karlsruhe für Freiräume ständig gekämpft werden, wie die Geschichte der Ex-Steffi zeigt. Gemeinderäte und brave Bürger machen es sich bequem, während wir für unsere Form des Lebens ständig und täglich kämpfen müssen, und das, obwohl sie uns so selbstverständlich erscheint und es auch sein sollte! Doch wir werden nicht aufgeben, nicht die Ex-Steffi, das selbstbestimmte Leben in Karlsruhe, noch sonst irgendwas.

Wer die Ex-Steffi angreift, muss auch mit der KTS rechnen! Linke Freiräume sind nötig und werden nicht ohne Widerstand verschwinden. Wir werden nicht einfach hinnehmen, wie versucht wird, uns unsere Lebensgrundlagen und Ideen zu zerstören. Autonome Zentren sind vielleicht die letzten Orte, wo es möglich ist, Kultur und Politik selbst zu schaffen, fernab von den festgefahrenen, kapitalistisch geprägten Wertevorstellungen und Normen der Gesellschaft.

Diese zwingt uns hier zum Handeln, und fordert unsere unbedingte Solidarität nicht nur mit der Ex-Steffi, sondern mit allen AZs, Wagenplätzen und anderen Autonomen Projekten.

Für den Erhalt der Ex-Steffi und die Schaffung vieler Freiräume in Karlsruhe, Freiburg und überall!

Ex-Steffi bleibt!