Front gegen Rechts

Gemeinde will nicht zum Neonazi-Treffpunkt werden

ROSENBERG. Die Idylle in der 2650 Einwohner zählenden Ostalb-Gemeinde Rosenberg bei Ellwangen ist getrübt. Die Bürger des Erholungsortes in der "Erlebnisregion Schwäbische Ostalb" befürchten, ein vom österreichischen Rechtsextremisten Andreas Thierry im Ortsteil Hohenberg gekaufter ehemaliger Gasthof könne zu einem Treffpunkt von Rechtsradikalen werden.

Für den morgigen Donnerstag hat daher das "Lokale Bündnis gegen Rechtsextremismus in Rosenberg" aus Vertretern der Gemeinde, der Kirchen, Vereine und Schulen zu einer Kundgebung aufgerufen. Bürgermeister Uwe Debler (parteilos) erklärt das Anliegen der Menschen: "Wir wollen damit sagen: Ihr seid mit euren Ideen hier nicht willkommen." Debler erwartet mehrere hundert Teilnehmer. Reden werden neben Debler auch der Landrat des Ostalbkreises, Klaus Pavel und der Ellwanger Kreisdekan Patriz Hauser. Auch Hauser fürchtet, der ehemalige Gasthof könne "ein Sammelpunkt" werden. Gerade junge Menschen seien leicht zu ködern: "Das war im Dritten Reich auch so."

Der Verkauf des ehemaligen Gasthofes "Goldenes Kreuz" an den gebürtigen Österreicher und NPD-Aktivisten Thierry war bereits im Februar Anlass für eine ungewöhnliche Maßnahme des Rosenberger Gemeinderats: Thierry, der nach dem österreichischen NSVerbotsgesetz vorbestraft ist, hatte ein Baugesuch eingereicht, um sich den Umbau der Kühl- und Lagerräume zur Lagerung von Büchern und deren Versand sowie die Umnutzung von Büroräumen zum Versandbüro genehmigen zu lassen. Thierry war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Gemeinderat hatte sich in seiner Sitzung am 22. Februar geweigert abzustimmen. Dadurch, schildert Bürgermeister Debler, sei automatisch eine zweimonatige Blockade des Verfahrens eingetreten. Nach dieser Phase freilich müsse der Umbau genehmigt werden. Baurechtlich sei gegen das Projekt nichts auszurichten.

Ende April dürfe Thierry also mit dem Umbau beginnen. Einem Querverweis im Baugesuch zufolge werde der Betreiber des Versands die "Volk in Bewegung - Verlag & Medien OHG" sein, die derzeit unter einer Postfachadresse in Ellwangen firmiert. Deren Geschäftsführer ist der vom baden-württembergischen Verfassungsschutz beobachtete Lars Käppler. In Käpplers Publikation "Volk in Bewegung" ist auch Thierry als Autor aufgetreten. Über das Internet vertreibt Käpplers Medienunternehmen Büchern und Zeitschriften, CDs, Filme und Bekleidung.

Thierry, Jahrgang 1970, hat in Wien und Freiburg Geschichte und Philosophie studiert und wurde 1995 nach Angaben auf der NPD-Webseite nach dem österreichischen NS-Verbotsgesetz zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Für die NPD war er als Schulungsleiter tätig und tritt seit einiger Zeit als Autor unter anderem für nationalistische Publikationen in Erscheinung. Die Menschen im Ostalbkreis befürchten nun, das "Goldene Kreuz" könnte zum "braunen Schulungszentrum" ausgebaut werden.lsw

Zwei Tage nach dem Bürgerprotest hat die "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) für diesen Samstag in Rosenberg eine weitere Demonstration angemeldet, bei der die Polizei auch mit überregionaler Beteiligung rechnet. Käppler ruft für den gleichen Tag Gesinnungsgenossen in Schwäbisch Hall zusammen. Im Aufruf heißt es, die Veranstaltung solle "die passende Antwort gegen Angriffe (...) gegen einen von uns" sein. Damit ist offenbar Andreas Thierry gemeint.

(Internet: www.gemeinde-rosenberg.de)


Quelle: Pforzheimer Zeitung vom Mittwoch, 6. April 2005


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