ROSENBERG - Mit einem Projekt von der ersten bis zur neunten Klasse wirkt die Karl-Stirner-Schule einer möglichen Gefahr durch Rechtsradikale entgegen. Befürchtungen, dass die Schule von Nazi-Propaganda überschwemmt werden könnte, haben sich aber bisher nicht bestätigt.

Von unserem Redaktionsmitglied Tobias Hermann

"Bei einigen von uns sind Tränen geflossen", erzählt Katharina aus der neunten Klasse. "Filme über brennende Asylbewerberheime und die Angst in den Augen der Ausländer", haben sie erschüttert, erinnert sich die 15-Jährige. Katharina und die anderen Neuntklässler sind sich einig, dass die Projektwoche sinnvoll war. Jutta findet: "Man soll nie vergessen, was passiert ist, sonst passiert es wieder."

"Wir gehen das Thema offensiv an", so Wolfgang Streicher, Leiter der Karl-Stirner-Schule. "Auch Drittklässler merken: Da ist etwas los in unserem Dorf", so der Pädagoge. So erfuhren Grundschüler durch das Bilderbuch "Judith und Lisa" von der Geschichte eines kleinen Mädchens, das im Dritten Reich eine jüdische Freundin hatte. Schulleiter Streicher betont: "Wir haben darauf geachtet, dass wir schülergemäß informieren."

Schüler der fünften und sechsten Klasse begaben sich auf die Spuren des Hessentaler Todesmarsches. Im Musikunterricht erfuhren die Schüler, wie die Musikgruppe "Comedian Harmonists" an der Nazi-Diktatur zerbrach.

Keine Nazi-Werbung an Schule

Befürchtungen, dass die Rechtsradikalen, die in Hohenberg das ehemalige "Goldene Kreuz" erworben haben, versuchen, Schüler ideologisch zu beeinflussen, haben sich bislang nicht bestätigt. "Meine Schüler wurden noch von niemandem aus der rechten Szene angesprochen", sagt Klaus Bannasch, der als Lehrer in der neunten Klasse unterrichtet.

Die Schule stellt es den Schülern frei, an den Demonstrationen gegen Rechts am 7. und 9. April in Rosenberg teilzunehmen. "Wir können nur informieren und wollen keinerlei Druck ausüben", so Streicher. Das Lehrerkollegium selbst werde geschlossen an der Demonstration am 7. April teilnehmen: "Es ist wichtig, dass sich das gesamte Dorf gegen den Rechtsradikalismus erklärt."


Quelle: Schwäbische Zeitung Online vom Samstag, 19. März 2005


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