ROSENBERG - Neonazi Andreas Thierry darf den ehemaligen Hohenberger Gasthof "Zum Goldenen Kreuz" umbauen. Der Rosenberger Gemeinderat genehmigte ihm dies de facto gestern Abend.

Von Tobias Hermann und Claus Liesegang

Gemeinderat Gerold Geiger brachte das Dilemma auf den Punkt: "Ich kann dem Bauantrag nicht zustimmen. Aber wenn ich ihn ablehne, dann drohen baurechtliche Klagen." Klagen mit Aussicht auf Erfolg: Der Gemeinderat hatte keine juristische Handhabe, um das Baugesuch abzulehnen.

Stark gegen Rechts

Doch das Gremium sandte ein deutliches Signal aus, dass der Bauherr in Rosenberg nicht erwünscht ist: Es weigerte sich einstimmig, über das Baugesuch abzustimmen. Nun muss Thierry zwei Monate warten, dann erhält er automatisch die Baugenehmigung. Bürgermeister Uwe Debler würdigte die Entscheidung des Gemeinderats als eine "starke Stellungnahme gegen den Rechtsextremismus".

Thierry will in dem alten Wirtshaus ein Versandbüro und Lagerräume zum Vertrieb von Medien einrichten. Zu befürchten steht, dass er von seinem neuen Domizil aus die Hetzschrift "Volk in Bewegung" vertreiben will. Dabei wird er Unterstützung von Lars Käppler, dem Ex-Vorsitzenden der rechtsextremen Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft (BDVG), bekommen. Der Staatsschutz hatten im Januar vermutet, dass dieser seinen Umzug nach Hohenberg vorbereite. Mittlerweile hat er seine Postfachadresse nach Ellwangen verlegt. Andreas Thierry hat sich inzwischen offiziell als Bürger von Rosenberg angemeldet.

Nachdem schon auswärtige Gruppen für den 9. April eine Demonstration gegen die Rechtsradikalen um Thierry angekündigt hatten, rief Bürgermeister Debler nach der Gemeinderatssitzung zu einer weiteren Demonstration auf. Sie soll zwei Tage früher vor dem Rathaus stattfinden. An ihr werden sich der Gemeinderat, Schule, Kirchen und Vereine beteiligen. Ziel sei "eine lokale Veranstaltung, mit der sich die Rosenberger identifizieren können."


Quelle: Schwäbische Zeitung Online vom Dienstag, 22. Feburar 2005


Weitere Infos gibt es auf unserer Übersichtsseite zur BDVG.