ROSENBERG-HOHENBERG - In einer Vorberatung hat der Gemeinderat Rosenberg das Baugesuch des Neonazi Andreas Thierry besprochen. Bürgermeister Uwe Debler nahm nach der nichtöffentlichen Sitzung keine Stellung mehr dazu.

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Thannheimer

Das Baugesuch von Andreas Thierry stand gestern Abend auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung - allerdings nichtöffentlich. Laut Gemeindeordnung darf bei einer Vorberatung die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Die Entscheidung, ob Andreas Thierry im Gasthof "Goldenes Kreuz" in Hohenberg Lagerräume bauen darf oder nicht, muss aus juristischer Sicht jedoch öffentlich bekannt gegeben werden.

Seit vergangener Woche liegt das Baugesuch für Lagerräume im "Goldenen Kreuz" vor. Andreas Thierry hat den alten Gasthof im vergangenen Jahr ersteigert. Nach Erkenntnissen der Heilbronner Staatsschützer bereitet nun auch Lars Käppler, Ex-Vorsitzender des rechtsextremen Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft (BDVG), seinen Umzug nach Hohenberg vor. Er ist bundesweit bekannt und gilt als anerkannter Wortführer in der rechten Szene. Vermutlich will Käppler das Gebäude für seinen Verlag oder als Nazi-Schulungszentrum nutzen (wir berichteten).

Ein mulmiges Gefühl

Die Hohenberger Bürger sind über diese Pläne alles andere als begeistert. "Wir haben alle ein mulmiges Gefühl bei der Sache", sagt eine Nachbarin, die einen Steinwurf entfernt vom "Goldenen Kreuz" wohnt. Bisher hätte sich der neue Besitzer unauffällig verhalten. Angst habe sie keine, sie beobachte aber das Geschehen nebenan. "Ab und zu trifft sich eine große Gruppe, dann verschwindet sie wieder." Über ein Nazi-Schulungszentrum in der idyllischen Gemeinde denke sie lieber noch nicht nach.

Einem anderen Anwohner ist ein Auto vor Gaststätte aufgefallen, auf dessen Heckscheibe ein Aufkleber mit dem Text "Der germanische Adler greift den Fisch, der für das Christentum steht, als Beute". Dieser Aufkleber kursiert in rechtsradikalen Kreisen. Im idyllischen Hohenberg sind die Bürger gespannt, welchen Entschluss der Gemeinderat schließlich fassen wird.


Quelle: Schwäbische Zeitung Online vom Dienstag, 25. Januar 2005


Weitere Infos gibt es auf unserer Übersichtsseite zur BDVG.