Anmerkungen

[1Napalm? Ja und Amen, in: G. Wallraff, 13 unerwünschte Reportagen, Köln 1969, S.160-176.

[2Heinrich Heine, Buch der Lieder. Junge Leiden. Lieder, Nr. VIII, 1827.

[3Gerhard Kaiser, Rede, daß ich dich sehe. Ein Germanist als Zeitzeuge, München 2000, S.223-239. Ähnlich in seinem Vortrag: Mein wissenschaftliches Leben. Bilanz eines Germanisten, am 16. Januar 1997 in der Aula. - Es trifft nicht zu, daß Hans Peter Herrmann, der von Kaiser zitierte "’reformfreudige Junggeselle’", gegen die Habilitation von Hannelore Schlaffer gewesen ist.

[4Gerhard Kaiser wird diesen Exkurs über ihn als weiteres Zeugnis meiner "brutalen Ehrlichkeit" einstufen, die er mir 1985 vorgeworfen hat.

[5Zur Entmythisierung ist zu sagen, daß diese Koordination auch Resultat der Lähmung des zerstrittenen Lehrkörpers war. Die größer gewordene Anzahl von Lehrenden und Lehrveranstaltungen zwang eigentlich zur kollektiven Planung des Lehrprogramms nach Notwendigkeiten des Studiums. Die politische Polarisierung aber blockierte dies. Gerhart Baumann verstand sich als künstlerischer Solitär, Gerhard Kaiser witterte einen linken Angriff auf seine Lehrfreiheit, und was als notwendiges Lehrangebot anzusehen ist, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Die Koordination durch einen Teil der Dozenten war daher auch eine ganz schlichte Konsequenz.

[6Außer vielen Studierenden waren die Verfasser: Eike Gellinek, Knut Hennies, Johannes Merkel, Rüdiger Steinlein, Peter Wirth.

[7Dieselbe Erfahrung haben gleichzeitig weberianische Sozialhistoriker wie Hans-Ulrich Wehler oder Jürgen Kocka gemacht und Konsequenzen daraus gezogen.

[8Das Resultat war eine 200seitige Broschüre über Deutschland im 18. Jahrhundert für Unterrichtszwecke. Bis auf den heutigen Tag gibt es keine befriedigende Darstellung der Geschichte Deutschlands im 18. Jahrhundert. Ich habe das Versagen der deutschen Wirtschaftsgeschichtswissenschaft angeprangert: Rüdiger Scholz, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Geschichtsschreibung. Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus in neueren Gesamtdarstellungen und Wirtschaftsgeschichten, in: R. Sch., Hg., Kritik der Sozialgeschichtsschreibung, Hamburg 1990, S.11-48. Zur Kritik von Wehlers Deutscher Gesellschaftsgeschichte, der derzeit besten sozialhistorischen Darstellung, siehe meine Kritik im selben Band S.87-133.

[9Z. B.: Überlegungen und Vorschläge zur Gruppenarbeit, 1974. - Kritik bürgerlicher Wissenschaft, 1974. Deutschland im 18. Jahrhundert. Zwischen Feudalismus und Kapitalismus, 1975. - Einführung in die Kommunikationstheorie, 1976.

[10Rainer Noltenius, Projektstudium - Projektunterricht. Germanistik und Deutschunterricht als Handlungsforschung, Hamburg 1977.

[11Meine Erfahrungen sind in dem von Hans Peter Hermann und mir verfaßten Buch über einen Teil des Projekts nachzulesen: Rüdiger Scholz, Hans Peter Hermann, Literatur und Phantasie. Schöpferischer Umgang mit Kafka-Texten in Schule und Universität, Stuttgart 1990, S.99-155.

[12Schon früh zog sich Manfred Karnick zurück; Anfang der 80er Jahre ging er nach Göttingen. Wolf Wucherpfennig wurde Professor in Roskilde in Dänemark, Jochen Dyck Ordinarius in Oldenburg, Rainer Noltenius Leiter des Fritz-Hüser-Instituts für deutsche und internationale Arbeiterliteratur in Dortmund, Rüdiger Steinlein ging nach Berlin, Horst Nitschack nach Nantes in Frankreich; Peter Jehn und Roland Elsner verließen die Universität.

[13Carl Pietzcker, "Hell aus dem dunklen Vergangenen leuchtet die Zukunft hervor!" Psychoanalytische Überlegungen zum unbewußten Anteil von Geschichtsbildern, in: Hansjörg Bay, Christof Hamann, Hgg., Ideologie nach ihrem ‚Ende’. Gesellschaftskritik zwischen Marxismus und Postmoderne, Opladen 1995, S.206-225, 239-241.

[14Carl Pietzcker, Mein Weg zu einer psychoanalytisch orientierten Literaturwissenschaft, in: Freiburger Universitätsblätter, 42. Jg., Heft 161: Erzählte Erfahrung V, Freiburg 2003, S.63-77.

[15Hanno König und Carl Pietzcker waren 1967 am Deutschen Seminar die ersten, die sich für politischen Druck aussprachen, um Machtveränderungen in der Universität durchzusetzen. Beide haben große Verdienste für die Politik der Mitbestimmung des Mittelbaus, Pietzcker auch als Freiburger Vertreter auf der Bundesassistentenkonferenz, von der entscheidende Vorschläge zur Reform der Hochschulen ausgingen.

[16Hans Peter Herrmann, Germanistik - auch in Freiburg eine "Deutsche Wissenschaft"? in: Eckhard John, Bernd Martin, Marc Mück, Hugo Ott, Hgg., Die Freiburger Universität in der Zeit des Nationalsozialismus, Freiburg 1991, S.115-149. Die Beiträge dieses Bandes gehen auf eine von Studierenden initiierte Ringvorlesung im Wintersemester 1988/89 zurück.

[17Immerhin ging meine Arbeit, aufgeschwemmt auf 1.500 Seiten, weil ich mich gegen alle Einwände absichern mußte, 1980 nur mit der Auflage einer Kürzung auf einen erträglichen Umfang als Habilitationsschrift durch. Bei der Veröffentlichung trennte ich den mehrhundertseitigen Forschungsbericht ab und ließ ihn als Geschichte der wissenschaftlichen Faust-Forschung gesondert erscheinen. Rüdiger Scholz, Die beschädigte Seele des großen Mannes. Goethes "Faust" und die bürgerliche Gesellschaft, Rheinfelden 1982, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage 1995. Rüdiger Scholz, Goethes Faust in der wissenschaftlichen Interpretation von Schelling und Hegel bis heute. Ein Einführender Forschungsbericht, Rheinfelden 1983, 2. erweiterte Auflage 1993.

[18K. R. Eissler, Goethe. Eine psychoanalytische Studie. 1775-1786, 2 Bde., Frankfurt 1983-85 (amerik. 1963).

[19Das Mammutwerk von 1.500 Seiten veröffentlichte Eissler 1963 in amerikanischer Sprache. Die deutsche Ausgabe aber scheiterte immer wieder, die Abwehr war stärker als die Neugier. In Verbindung mit Wolfram Mauser und dem Psychoanalytiker Johannes Cremerius gelang es mir, die Gelder für die deutsche Ausgabe zusammenzubringen; infolge widriger Umstände mußte ich den zweiten Band von fast 1000 Seiten selbst übersetzen.

[20Die Verhältnisse spiegeln sich in Freiburg. Zwei Goethe-Dissertationen der letzten Jahre, eines Assistenten und einer Assistentin am Deutschen Seminar, zwei Arbeiten, welche die Goethe-Ideologie fortschreiben, sind mit Preisen ausgezeichnet worden, in einem Fall in Konkurrenz zu einer nach den Quellen recherchierten, detailgenauen, präzisen und umfassenden Arbeit über zehn Schriftstellerinnen der 1848er Revolution, die den Preis nicht erhielt.

[21Die beiden Bewerber waren Dr. Klaus Theweleit und Dr. Fritz Erik Hövels, hier in Freiburg mit der Bestnote summa cum laude promoviert, Klaus Theweleit in neuerer deutscher Literaturgeschichte mit seinem berühmten Buch Männerphantasien bei Hans Peter Herrmann, Hövels in Klassischer, lateinischer, Philologie bei Karl Büchner. Klaus Theweleit, Männerphantasien, 2 Bde., Frankfurt a.M. 1977/78 (Diss. phil. Freiburg 1977). - Fritz Erik Hövels, Märchen und Magie in den Metamorphosen des Apuleius von Madaura, Amsterdam 1979 (Diss. phil. Freiburg 1977). Die Stelle erhielt eine nicht promovierte Bewerberin mit der alleinigen Qualifikation einer Staatsexamensarbeit in Slawistik.

[22Ich muß hinzufügen, daß alle vier meine Habilitation zuließen. Kaiser und Mauser gingen nicht in die Kommission, Goetsch schrieb ein positives Gutachten über meine Arbeit, Erzgräber verhielt sich bei meinem Habilitationskolloquium fair, und als Dekan stellte er mich bei meiner Antrittsvorlesung sogar wohlwollend ironisch vor.

[23Jens Scheer (1935-1994): 1975 Berufsverbot und Hausverbot der Bremer Universität mit Telefonsperre und Gehaltskürzung; nach mehreren Prozessen Mitte der 80er Jahre rehabilitiert, seit Tschernobyl großes Ansehen. - Disziplinarverfahren gegen Peter Brückner (1922-1982) mit 1. Suspendierung 1772, ein Jahr lang; 2. Suspendierung im Oktober 1977, rehabilitiert Ende 1981. A. Krovoza, u. a., Hgg., Zum Beispiel Peter Brückner. Treue zum Staat und kritische Wissenschaft, Frankfurt a. M. 1981.

[24Den Tübinger Professoren Wunberg und Rublack und Albrecht Schau von der PH Ludwigsburg wurde 1985 die Prüfungsberechtigung für Staatsexamina entzogen. Lehrerzeitung der GEW 23/24, 1985, S.566.

[25Ebenso katastrophal ist die Lehrereinstellung unter dem Gesichtspunkt der Finanzpolitik, die den Auftrag der Schulen gefährdet.

[26Seit der Hochschulreform 1969 hat die Freiburger Universität nur rechtskonservative, der CDU angehörende oder ihr nahestehende Rektoren gehabt: Helmut Engler, Jurist, späterer CDU-Wissenschaftsminister von Baden-Württemberg; Bernhardt Stoeckle, Theologe; Volker Schupp, Altgermanist; Christoph Rüchard, Chemiker; Manfred Löwisch, Jurist; Wolfgang Jäger, Politologe.

[27Anmerkung März 2004: Im Fall der Urkundenfälschung ist jetzt die Entscheidung des Kanzlers der Universität, Wolf-Eckard Wormser, am 16. Februar 2004 ergangen. Für Wormser handelt es sich deswegen nicht um eine Urkundenfälschung, weil die nachträgliche Änderung "auf Weisung des Rektors" (so von Kanzler Wormser hervorgehoben) erfolgte. Dieser Entscheid ist skandalös. Er besagt, daß ein juristisch ausgebildeter Beamter, Leiter eines Dezernats im Rang eines Regierungsdirektors, selbst der Weisung des Rektors zur Urkundenfälschung Folge zu leisten hat. Das ist der Zusammenbruch demokratischer Rechtsstaatlichkeit zugunsten einer Struktur von Befehl und Gehorsam, die in der deutschen Geschichte so viel Unheil angerichtet hat.

[28Rudolf Walter Leonhardt, Der Sündenfall der deutschen Germanistik, Zürich-Stuttgart 1959. Eine Neuauflage, von mir herausgegeben mit ausführlichem Essay zur gegenwärtigen Situation, erscheint 2004.

[29Badische Zeitung Nr. 140, 23. Juni 1986.

[30Hans Mohr, "Schuster bleib bei deinen Leisten". Rückblick eines Grenzgängers zwischen Biologie und Abschätzung von Technikfolgen, in: Freiburger Universitätsblätter, 3. Jg., Freiburg 2003, Heft 161, S.31-44, hier S.37.

[31Ähnlich hatten wir schon bei der Berichterstattung über das grundlose Zusammenknüppeln von demonstrierenden Jugendlichen am Bertholdsbrunnen durch die Polizei bei einer Demonstration gegen die polizeiliche Räumung besetzter Häuser reagiert, waren zu einem Gespräch mit Redakteuren eingeladen worden und hatten den Gegnern einer kritiklosen Berichterstattung den Rücken gestärkt.

[32Brief vom 1. Juli 1986 an den Rektor, Prof. Dr. Volker Schupp.

[33Brief des Rektors Prof. Dr. Volker Schupp an Prof. Dr. Hans Peter Herrmann vom 31. Juli 1986. Bezeichnend ist auch die scheinbare Blauäugigkeit des Prorektors Rainer Wahl, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht, der sich damit rechtfertigte, ihm seien die Standpunkte der Vortragen nicht bekannt gewesen. Brief an Hans Peter Herrmann vom 17. 9. 1986.

[34Freiburg, 1. Aufl. Mai 1991, 2. ergänzte Aufl. Juli 1991.

[35Christine Lehmann, Frauenfeind und Frauenfreund, Emma, Januar 1992, S.28-30.

[36Solange Frederick Wyatt, mit dem ich im Rundfunk über Eisslers Goethe-Werk diskutiert habe, im Vorstand war, hieß es, sein Antikommunismus verhindere, mich reden zu lassen. Aber auch nach seinem Tod änderte sich nichts. Ich habe den drei verbleibenden Herren vor einigen Jahren abschließend (Brief vom 25. Juni 2000) kleinkariertes Verhalten vorgeworfen, erhielt aber noch nicht einmal eine Antwort.

[37Badische Zeitung vom 22. April 1994.

[38Badische Zeitung vom 24. Oktober 1990.

[39Stadtzeitung. Freiburgs Monatliche, Februar 1990, S.17.

[40Hugo Scholz, Der Konkurs vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt, Schweidnitz 1934 (Diss. Wirtschafts- und Sozialwiss. Frankfurt a. M. 1934).

[41Frank Schirrmacher, der Kulturredakteur der FAZ, der einen Sammelband mit Leserbriefen zur Walser-Affäre herausgab, wollte erst meinen Leserbrief abdrucken, tat es dann doch lieber nicht. Frank Schirrmacher, Die Walser-Bubis-Debatte. Eine Dokumentation, Frankfurt a. M. 1999.

[42Ich habe seit dem Jahr 2000 versucht, in Leserbriefen das Politische dieses Unpolitischen zu erörtern, zweimal vergeblich. Erst 2003 wurde mein Leserbrief abgedruckt: Süddeutsche Zeitung, Nr. 81, 7. April 2003, S.10.

[43Frankfurter Rundschau, 12. August 1986.

[44Wie Bruno Kaiser gesagt hat: Die Pariser Kommune im deutschen Gedicht, hg. v. Bruno Kaiser, Berlin, Dietz Verlag, 1958, S.6.