Naziübergriffe in Freiburg

Communiqué vom 30.10.06

Zahl der faschistischen Gewalttaten steigt auch in Freiburg dramatisch

Erst vor kurzem lösten Zahlen über den Anstieg faschistischer Straftaten Erschrecken in Politik und Medien aus. Laut Bundesinnenministerium seien „rechtsextreme Straftaten“ im Vergleich zum Vorjahr bisher um mehr als 20%, im Vergleich zu 2004 sogar um 50% gestiegen. Von Nazis verübte Gewalttaten stiegen in diesem Jahr bisher um etwa 25%. Die tatsächlichen Zahlen liegen selbstverständlich um ein Vielfaches höher, da bei Weitem nicht jede Gewalttat der Polizei bekannt wird.

Wer diese Entwicklung vorschnell in den Osten Deutschlands verbannen wollte, musste sich eines Besseren belehren lassen: Zwar befinden sich dort tatsächlich zahlreiche Schwerpunkte der Naziszene, doch 167 der 452 registrierten Gewalttaten wurden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen begangen und auch im Rems-Murr-Kreis, einer Nazihochburg in Baden-Württemberg, stieg nach offiziellen Angaben die Zahl faschistischer Straftaten 2005 um 30% im Vergleich zum Vorjahr.

Aber was hat das alles mit Freiburg zu tun? Während die „Breisgau-Metropole“ ihr links-alternatives Image pflegt, werden rechte Tendenzen gerne übersehen. Noch 2003 meinte der Polizeisprecher Ulrich Brecht im Hinblick auf eine möglicherweise wachsende Nazi-Szene in Freiburg: „Hier lässt es die politische Landschaft nicht zu, dass so etwas größer wird.“ Die Realität dagegen sieht anders aus. Seit Ende September 2006 sind vier Personen in Freiburg Opfer zielgerichteter rechter Gewalt geworden. Auffällig dabei ist, dass die Rechten fast immer zu Mehreren auf Einzelne losgingen.

Am Mittwoch, den 27. September, wurde eine Linke am Platz der Alten Synagoge gegen 2 Uhr nachts von zwei Nazis angegriffen, die äußerlich in keiner Weise der rechten Szene zuzuordnen waren. Nachdem die Nazis meinten, es sei „schon richtig gewesen, die Juden zu vergasen“, beleidigten sie die Frau sexistisch. Als sie sich dagegen zur Wehr setzte, schlugen die Männer auf sie ein - auch noch als sie schon am Boden lag. Die zwei Schläger flüchteten und die Frau musste im Krankenhaus genäht werden.

Am Samstag, den 30. September, wurde ein politisch aktiver Student gegen 21 Uhr an der Aral-Tankstelle in Littenweiler von drei Maskierten überfallen. Ein Angreifer fuhr mit einem Roller in das Rad des Freiburger Studenten, so dass dieser stürzte. Ein anderer Angreifer schlug ihm mit den Worten „Für deine Linksradikalität“ mit der Faust aufs Auge, doch der Schläger hatte nach einer effektiven Verteidigung die Nase voll. Alle drei Angreifer flohen unerkannt.

Am Freitag, den 20. Oktober, fuhren nahe des Ikea-Marktes fünf stereotype Naziskinheads in einem silbernen Mercedes-Bus mit getönten Scheiben und Pirnaer Kennzeichen an einem Linken vorbei und beschimpften ihn mit den Worten: „Na, du Zecke!“. Einer der Nazis stieg daraufhin aus dem Wagen und griff die Person an, die sich mit Pfefferspray verteidigte.

In der Nacht auf Samstag, den 28. Oktober, wurde in der Nähe der Mensa Rempartstraße ein Linker von fünf Nazis angegriffen. Die Faschisten beleidigten ihn und zwei Freundinnen zunächst als „scheiß Zecken“ bevor sie unter „Heil Hitler“-Rufen auf den Mann losgingen. Die Täter teilten sich daraufhin in verschiedene Gruppen auf und flüchteten. Das Opfer trug eine blutende Wunde am Kopf davon.

Die Nazis sind, wie auch die jüngsten Freiburger Ereignisse zeigen, dabei nicht immer allein durch ihr Äußeres als Nazis zu erkennen — die faschistische Gewalt jedoch ist immer dieselbe und erfordert eine entschlossene Gegenwehr. Wir werden es nicht zulassen, dass Freiburg zu einem gefährlichen Ort für Menschen wird, die nicht in das Weltbild rechter Schläger passen.

Auch weiterhin gilt: Wenn etwas nicht stimmt, sprich deine Antifa an!

Kein Fußbreit den FaschistInnen!

Antifa Freiburg


MP3 - 11.8 MB
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Mitschnitt (12 MB, MP3) des RDL-Morgenradios vom 10. Oktober zum Übergriff am Platz der Alten Synagoge am 27. September und zu rechter Gewalt in der Innenstadt.


Der Staatsschutz reagierte am 8. November auf dieses Communiqué, indem er uns in einer Mail bat, die Personalien der Opfer bekannt zu geben — natürlich vergeblich.


Die Stuttgarter Zeitung berichtete am 28. November über unser Communiqué.