Fuck the Police!

Redebeitrag der Antifa auf der Antirepressionsdemo am 18.12.2004

Hallo!

wir gehen heute auf die Straße, weil wir die zunehmenden Repressionsmaßnahmen seitens der Stadt im Allgemeinen und seitens der Polizei im Besonderen nicht mehr widerspruchslos hinnehmen werden. Wir sind hier, weil wir nicht einsehen, dass unser linkes und antifaschistisches Engagement mit Räumungen und Hausdurchsuchungen, mit Vertreibungen und Schnüffeleien „bestraft“ wird.

Es geht hier zum einen um die zahlreichen Verurteilungen im Zusammenhang mit den Häuserkämpfen auf dem Vaubangelände und in der Baslerstraße Anfang des Jahres. Des weiteren um die Vertreibung von Punks und Obdachlosen von ihren Schlafplätzen, das Einsacken und Wegwerfen ihrer Sachen - also um die systematische Schikanierung von Menschen, die dem „sauberen“ Image der Stadt schaden.

Natürlich geht es auch um die KTS, dem autonomen Zentrum in Freiburg, das bereits fest als politischer und kultureller Faktor in Freiburg etabliert ist und genau aus diesem Grund der Stadt ein Dorn im Auge ist. Anders ist die Duldung der ausgesprochenen Kündigung vom Februar wohl kaum zu erklären und nur entschlossener Widerstand konnte die Existenz des Hauses retten.

Doch damit nicht genug: Im Juli diesen Jahres kam es beim sogenannten Southek-Technofestival ohne irgendeinen ersichtlichen Grund zu einem Knüppeleinsatz von 1600 Polizisten sowie vor kurzem zu einer völlig wilkürlichen Verurteilung eines Wagenbewohners, der als vermeintlicher Organisator ausgemacht wurde.

Dass die WagenbewohnerInnen mittlerweile beinahe täglich Kontrollen der Polizei über sich ergehen lassen müssen, verwundert in diesem Zusammenhang kaum noch. Doch seit dem 08.12. hat die regionale Repressionswelle einen erneuten Höhepunkt erfahren.

Der hiesige Amtsrichter Holm Ertelt sah es allen Ernstes als verhältnismäßig an, im Zusammenhang mit einem Flugblatt, das zu einer Schwarzfahraktion aufgerufen haben soll, eine Hausdurchsuchung in einer 4-köpfigen WG zu genehmigen. Es wurden sämtliche Computer sowie zahlreiches Schriftgut eingesackt.

Besonders aufschlußreich: ermittelt wird „nur“ gegen einen Mitbewohner. Die übrigen 3 Personen wurden nach dem Grundsatz "Mitgehangen-Mitgefangen" behandelt, wie die Badische Zeitung es zutreffend festgestellt hat. Für uns ist das alles Grund genug, heute auf die Straße zu gehen um auch mal einer breiteren Öffentlichkeit mitzuteilen, was in dieser Stadt, die ja immer um ein besonders alternatives, tolerantes und weltoffenes Image bemüht ist, eigentlich wirklich passiert.

Wir werden jedenfalls nicht tatenlos zusehen, wie die Polizei versucht, ihre Schnüfflerschnauzen unter fadenscheinigen Vorwänden in reale oder vermeintliche linke Strukturen zu stecken. Klar, dass es ihnen nicht passt, dass wir ihre Schikanen öffentlich machen. Wenn die Polizei agiert, hat sie ungern Zuschauer.

Aber das Öffentlichmachen der hiesigen Repressionsmaßnahmen kann nicht der einzige Schutz sein, auf den wir uns verlassen dürfen. Wir müssen unsere eigene Organisierung vorantreiben, die Vereinzelung aufbrechen und zusammen unsere Strukturen verteidigen.

In Zeiten, in denen deutsche Soldaten im Ausland kein Tabu mehr darstellen, in Zeiten, in denen ungeniert eingefordert wird, dass deutsche Polizisten doch das Recht haben sollten, wenigstens ein kleines bisschen zu foltern, in Zeiten, in denen der Sozialabbau viele Menschen in die Armut treibt, in Zeiten, in denen öffentliche Verkehrsmittel und Schwimmbäder durch immer höhere Preise zu Luxuseinrichtungen werden, in diesen Zeiten will man keine unbequemen Störenfriede haben, die den Finger in die Wunde legen und nicht aufhören wollen zu kämpfen.

Und genau das sollte die Botschaft sein, die heute Nachmittag vermittelt werden muss. Dass wir nämlich weitermachen werden, dass wir uns nicht einschüchtern lassen werden. Dass wir nicht aufhören werden zu denken, zu handeln und zu kämpfen. Denn wie schon Brecht sagte: „Die Schwachen kämpfen nicht. Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang. Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre. Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang. Diese sind unentbehrlich!“

In diesem Sinne:
Wehren wir uns gegen die Schikanen!
Schützen wir unsere Strukturen!
Verstärken wir die Organisierung!
Der Kampf geht weiter!
Fuck the Police!

Antifa Freiburg


Weitere Infos gibt es in unserer Repressionsdokumentation.