Mit gemischten Gefühlen erleben wir die derzeitigen Ereignisse um die Kündigung der Räumlichkeiten der KTS durch die Deutsche Bahn.

Wir sind weiterhin zu vernünftigen Gesprächen über die Gründe der Kündigung bereit. Falls der Stadt wirklich am Erhalt der KTS gelegen ist und es der Bahn nur darum geht, Beeinträchtigungen ihres Betriebsablaufes zu verhindern, sollte es in diesen Gesprächen darum gehen, die Vorwürfe von Seiten der Bahn an die KTS bzw. deren BesucherInnen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, diejenigen herauszufinden, die tatsächlich etwas mit der KTS zu tun haben und dann Abhilfe zu schaffen.

Damit sollte die Grundlage für einen weiteren Verbleib der KTS in den Räumen in der Baslerstrasse gelegt sein. Dieser Verbleib ist unserer Ansicht nach die billigste und mit dem geringsten Aufwand verbundene Lösung zum Erhalt der KTS.

Was uns bisher aus der Presse über die Beschwerden von Seiten der Deutschen Bahn bekannt ist, lässt leider nicht auf die Bereitschaft der Bahn zu solchen vernünftigen Gesprächen schliessen. So wird in der Badischen Zeitung vom Samstag, den 14.2.04 wiederum eine Aufzählung an Störungen präsentiert, die sich dadurch auszeichnet, dass sie bekannte Vorfälle, die von uns bereits zusammen besprochen und geklärt wurden in neuem Gewand darstellt.

Um der Vernunft dennoch eine Chance zu geben, machen wir uns noch einmal die Mühe auf diese Vorwürfe einzugehen.

1. Beschmierte Waggons

Eine Problematik, die auch unter der Bezeichnung Graffiti bekannt ist und sich weder auf Freiburg, geschweige denn auf die KTS reduzieren lässt. Graffiti werden übrigens auch immer wieder gerne als Sachbeschädigung bezeichnet.

2. Das Verbrennen radachsensichernder Bremsklötze aus Holz

Das hört sich jetzt sehr gefährlich an, wir können die Bevölkerung allerdings beruhigen, die Deutsche Bahn sichert ihre Radachsen im normalen Betrieb nicht mit Holz, sondern verwendet andere Materialien zur Radaufhängung. Es geht um Holzklötze, die im Bahnbetriebswerk verhindern, dass dort zu bearbeitende Achsen wegrollen. Bei dem Stapel Holzpaletten, der bei einer komplett bescheuerten Aktion von BesucherInnen einer Veranstaltung entwendet und verbrannt wurden, lagen wohl auch solche Klötze. Der Schaden wurde von uns bezahlt.

3. Müllablagerungen und Personen auf dem Bahnbetriebswerk der Bahn

Wir haben es ebenfalls schon erwähnt, dass bis zum Frühjahr 2003 das Betriebsgelände der Bahn offen zugänglich war. Seitdem das Tor geschlossen ist, sind uns keine weiteren Vorfälle dieser Art bekannt. Ausserdem würde es uns interessieren, ob andere Veranstaltungsorte auch für alles verantwortlich gemacht werden, was im Umkreis von 500m um sie herum passiert.

4. Das Beschimpfen von Bediensteten und deren Bedrohung - auch durch Hunde

Falls es wirklich zu einseitigen Beschimpfungen und Bedrohungen von BahnmitarbeiterInnen durch BesucherInnen der KTS gekommen ist, möchten wir an dieser Stelle noch einmal klarstellen, dass wir solches Verhalten gelinde gesagt als idiotisch empfinden und wir alle BesucherInnen auffordern, solches Verhalten zu unterlassen und einzuschreiten, wenn sie es beobachten. Wir haben Personen, die sich als VermittlerInnen angeboten haben, unsere Bereitschaft signalisiert, mit MitarbeiterInnen der Bahn über diese Problematik zu sprechen und bekunden diese Bereitschaft hiermit öffentlich. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass wir der Bahn eine Telefonnummer gegeben haben, damit deren MitarbeiterInnen direkten Kontakt mit VeranstalterInnen in der KTS aufnehmen können. Uns ist nur ein Fall bekannt, in dem diese Nummer genutzt wurde. Dabei ging es um ein am Zugangstor angekettetes Fahrrad, welches dann auch umgehend entfernt wurde.

5. Verspätungen im Nahverkehr

Diese Verspätungen (uns ist ganz konkret ein Fall bekannt) sind Teil der Falschparkproblematik. Wenn die Zufahrt durch Autos blockiert ist oder ein Fahrrad am Zugangstor angekettet ist, kommen BahnmitarbeiterInnen mit ihrem Auto nicht durch. Wenn es sich dabei um eineN LokführerIn handelt, ist die Verspätung da. Für dieses Problematik fordern wir seit langem eine technische Lösung und haben auch mehrmals konkrete Lösungsvorschläge gemacht. Wir sehen es auch als einen groben Planungsfehler an, dass bei der Neugestaltung der Auffahrt keinerlei Rücksicht darauf genommen wurde, dass es sich nicht nur um die Zufahrt zum Bahnbetriebswerk, sondern auch zur KTS, also einem Veranstaltungsort ohne Parkplätze am Haus, handelt.

Wir glauben, dass sich vernünftig betrachtet Lösungen für all diese Probleme finden lassen, und seien es bauliche Massnahmen, die den Zugang zur KTS komplett von dem zum Bahnbetriebswerk trennen. Dies ist sicherlich immer noch billiger als die Kosten, die durch einen Umzug der KTS entstehen würden.

Da die Bahn eine solche Lösung ablehnt, lässt uns die Vernunft so langsam zu dem Schluss kommen, dass es gar nicht um die angeblichen Störungen des Bahnbetriebes geht, sondern das die KTS auf alle Fälle aus den Räumlichkeiten verschwinden soll. Vielleicht gibt es ja einen anderen Verwendungszweck für die Räume.

Wenn dem so ist, bitten wir die Bahn dies öffentlich mitzuteilen, da wir uns dann die Mühe sparen können, immer wieder von neuem zu erklären, wieso die von der Bahn angeführten Gründe keine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Auch die Stadtverwaltung macht uns derzeit nicht viel Hoffnung auf eine vernünftige Lösung. Zwar finden hier regelmässig Gespräche statt, in der Öffentlichkeit wird jedoch vor allem Verständnis für die Kündigungsgründe der Bahn gezeigt und gleichzeitig betont, dass es kein Ersatzgebäude gibt. Das sind keine tollen Perspektiven, die uns da vorgestellt werden. In dieser Situation wird uns ein Besuch von Herrn Salomon angeboten. Unsere Vernunft sagt uns, dass das eine billige Aktion für die Öffentlichkeit ist, um das Image eines tollen Machers auszubauen oder erst zu schaffen. Wir schreiben der Stadt nicht vor, wie sie ihre Verhandlungsgruppe zusammensetzt, somit besteht gerade für den Oberbürgermeister jederzeit die Möglichkeit sich aktiv in die Gespräche einzuschalten. Für die Profilierung eines Bürgermeisters ist die KTS jedoch der völlig falsche Platz.

Hoffnung machen uns dagegen die vielen Menschen, die in der Stadt an Aktionen zum Erhalt der KTS teilnehmen und zeigen, dass sich die KTS nicht einfach plattmachen lässt, nicht von der Bahn und nicht von jemand anders.

KTS-Ini
In Zusammenarbeit mit dem Komitee zur Verteidigung der Vernunft


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Deckblatt


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Offener Brief