Stadt, Bahn, Schluss: KTS bangt

Die Bahn will den Vertrag mit der Stadt kündigen, die am Bahnbetriebswerk Räume an die Kulturinitiative KTS weitervermietet

Von unserer Redakteurin Julia Littmann

Wo die KTS-Initiative in diesem Jahr ihr Zehnjähriges feiern wird, scheint zumindest im Moment nicht ganz eindeutig. Ihr derzeitiges Domizil nämlich, die Räume im Bahnbetriebswerk an der Basler Straße, will die Bahn offenbar nicht mehr an die Stadt vermieten, die ihrerseits diese Räume an die KTS weitervermietet. Der Vorwurf: stete Behinderungen und Belästigungen der Betriebsabläufe bei der Bahn durch den Besucherverkehr des autonomen Veranstaltungshauses.

Die Verhältnisse an der Basler Straße 103 waren von Anfang an schwierig, nach fünf Jahren wurden sie gar für unzumutbar gehalten und es wurde an eine Kündigung gedacht. Was da genau "unzumutbar" sei, erklärt Bernd Nußbaumer von der städtischen Koordinations-und Regionalstelle: "Da kommen Zugführer nicht mit ihrem Auto zu ihrem Arbeitsplatz." Die Zufahrt nämlich ist blockiert, wenn die Autos von KTS-Besuchern auf der Wendeplatte vor dem Gebäude geparkt werden.

Im schlechtesten Fall kommt dann der Zugführer nicht rechtzeitig zu seinem Zug. Bahnsprecher Martin Schmolke weiß darüber hinaus sogar von Fällen, "in denen Mitarbeiter zumindest verbal heftig angegriffen wurden." Keine Frage, hier sind Betriebsabläufe tatsächlich empfindlich gestört. Das ist eine Problemlage, die auch die Verantwortlichen der KTS-Initiative erkannten. Auf der KTS-Website gibt es denn auch diverse unmissverständliche Hinweise: "Parkt eure Autos woanders und lauft zur KTS!" Rings um den Backsteinbau stehen Schilder und hängen Plakate, die alle das Gleiche kundtun: "Nicht mit dem Auto in die KTS und kein einziges Fahrrad auf die Wendeplatte und die Auffahrt!"

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Lieber das Fahrrad auf dem Vordach, als das Auto auf der Wendeplatte: Vor der KTS ist der Platz für Fahrräder begrenzt, Autos müssen ganz wegbleiben - sonst wird der Bahnbetrieb massiv gestört.

Selbst der Hinweis auf die drohende Kündigung ist plakatiert. Und auch der Hintergrund dafür ist erklärt: "Neben der KTS liegt das Bahnbetriebswerk", heißt es da, "dort wird rund um die Uhr (!) und auch am Wochenende (!) gearbeitet. Von hier starten Regionalzüge und Güterzüge werden be- und entladen. Die Zufahrt zur KTS und zum Bahnbetriebswerk ist die gleiche." Und deshalb folgt - fettgedruckt - der Hinweis, dass diese Zufahrt immer frei bleiben muss. Und so sehen es vor allem auch die Macherinnen und Macher, die sich im Plenum der KTS-Initiative versammeln. "Das haben wir seit dem Sommer regelmäßig auf unserer Tagesordnung", sagt Bernd Schmidt. Seit dem Frühjahr erst habe sich die Lage am Bahnbetriebswerk zugespitzt, so Schmidt. Damals wurde nicht nur die Auffahrt von der Basler Straße den Hügel hinauf saniert, sondern es wurde auch eine Wendeplatte angelegt und zum Bahnbetriebsgelände hin mit einem großen Tor versehen. "Das Tor ist für viele Radfahrer eine Einladung, ihre Räder da anzuschließen", erklärt ein Besucher. Deshalb hat die Initiative ein Schild dort angebracht: "Keine Fahrräder auf der Wendefläche!" Geholfen hat am Ende alles nicht viel: immer wieder mal stehen Autos auf der Wendeplatte und trotz der Drohung auf der Website - "wir haben einen Bolzenschneider und werden ihn auch benutzen" - werden immer wieder Räder ans Tor angeschlossen.

Im Frühjahr vergangenen Jahres gab es ein erstes Treffen mit Vertretern der Bahn, des Liegenschaftsamtes, des Kulturamtes und der KTS. Zu diesem Zeitpunkt war der Bahnbetrieb bereits so massiv gestört, dass man nach Lösungen suchte. Man einigte sich unter anderem auf privat organisierte "Wachdienste" - ohne wirklichen Erfolg. Im November schließlich eskalierte die Situation derart, dass sich Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach einschaltete.

Und damit nicht genug: Anfang kommender Woche trifft von Kirchbach sich mit OB Salomon und Vertretern der Bahn zu einem "Spitzengespräch". Klares Ziel: alles tun, um diese Kündigung zu verhindern. Zu gut ist allen in Erinnerung, wie schwierig es vor sechs Jahren war, Räume für die Initiative zu finden. Entsprechend geht der Appell der Stadt an die KTS, auf den Vermieter und die dort Beschäftigten Rücksicht zu nehmen. "Die Ampel ist noch nicht auf Rot, aber auf Orange", beschreibt Bernd Nußbaumer die Lage vor dem Gespräch.


Quelle: Badische Zeitung vom Freitag, 30. Januar 2004