Vom grünen Freiburger Oberbürgermeister darf man eine ökologische und soziale Politik erwarten. Dass dazu der Erhalt der drei nun zum Abriss stehenden Vauban-Kasernengebäude gehört, dazu waren alle Argumente auch in dieser Zeitung schon zu lesen. Salomon hätte das erkennen können. Aber er hat es nicht geschafft dafür zu sorgen, dass die Stadtverwaltung ein Konzept zur Nutzung der gut erhaltenen Gebäude entwickelt. Salomon konnte nicht einmal verhindern, dass in seinem Hause gegen eine ökologische und soziale Politik gearbeitet wird. Er sieht statt dessen hilflos zu, wie sein Baudezernent den Gemeinderat an der Nase herumführt, das engagierte Bürgerprojekt Drei5Viertel zu Bittstellern degradiert und mit allen Tricks den Abriss durchsetzt. Fragt sich der grüne OB nicht, wessen Interessen der ansonsten farb- und perspektivlos agierende CDU-Baubürgermeister dient? Salomon und die hereingelegten Stadträte hätten durch die Besetzung des Hauses 53 die Chance gehabt, Schmelas auf die Finger zu schauen und zu einer sozialen und ökologischen Entscheidung zurückzufinden. Aber was geschieht? Der Grüne Salomon tappt in die vom CDU-Dezernenten gestellte Falle und sieht sich nur noch in der Lage, Polizeikohorten und Abrissbagger ins Vaubanviertel zu schicken. Das ist ein Armutszeugnis. Kann Salomon sich von seiner Führungsschwäche wieder erholen oder gibt er die Elemente der ökologischen und sozialen Politik, für die ihm fast zwei Drittel der Freiburger Wählerinnen und Wähler ihr Vertrauen gaben, weiterhin zum Abbruch frei?

Jörg Dengler, Freiburg


Quelle: Badische Zeitung vom Samstag, 17. Januar 2004