Nach Abriss kommt ein Bürogebäude

Besetzer auf freiem Fuß

Während gestern der Verkehr wieder zwischen Merzhauser Straße und Kronenbrücke über die Basler Straße floss, als sei da am Wochenende nicht das Haus mit der Nummer 66 besetzt gewesen, wurden die am Sonntag vorläufig festgenommenen vier Besetzerinnen und sieben Besetzer (mit einer Ausnahme) wieder auf freien Fuß gesetzt. Zehn von ihnen sind nach Auskunft des Polizeisprechers Ulrich Brecht 17 bis 25, einer 30 Jahre alt. Der elfte, ein 41-jähriger Mann ohne festen Wohnsitz, wurde in die Haftanstalt eingeliefert.

Sie alle, die - anders als es zunächst hieß - fast durchweg in der Region Freiburg leben, müssen nun mit Strafanzeigen wegen des Verdachts der Sachbeschädigung, der gefährlichen Körperverletzung, des Landfriedens- oder Hausfriedensbruchs rechnen. "Auf jeden Fall" wird auch die "Burschenschaft Alemannia" Strafanzeige "gegen Unbekannt" erstatten, wie der Vorsitzende der Altherrenschaft Günther Voss auf Anfrage der BZ mitteilte. In deren Haus an der Ecke Loretto-/Günterstalstraße war am frühen Samstagabend (wie berichtet) fast das gesamte Erdgeschoss demoliert worden. Den Sachschaden schätzt die Burschenschaft nach einem ersten Überblick auf etwa 12 000 Euro.

Mittlerweile Strafanzeige erstattet hat die PSD-Bank, die seit vergangenen Dezember im Grundbuch als Eigentümerin des Gebäudes Basler Straße 66 eingetragen ist, das sie von der Donaueschinger Fürstenberg-Brauerei gekauft hatte. Die Postspardienst-Bank (ursprünglich eine bundesweite Selbsthilfeorganisation der Post- und Telekom-Beschäftigten) will das um 1895 entstandene Haus, in dem bis Ende September 2002 die Gaststätte "Fortuna" untergebracht war, abreißen und an seiner Stelle ein Bürogebäude bauen lassen.

Das teilte der Stuttgarter Anwalt der PSD-Bank, Wolfgang Link, am Montag auf Anfrage der BZ mit. Die Pläne für den Neubau seien bei der Stadtverwaltung eingereicht und mit dem Stadtplanungsamt abgestimmt. Eine Abrissgenehmigung liege auch schon vor. Allerdings wohnten in einem Teil des Hauses (das Denkmalschützer Bernhard Laule als "ein charakteristisches Beispiel für die Architektur des späten 19. Jahrhunderts" bezeichnet) noch Mieter, deren Mietverträge aber auf April gekündigt worden seien.

gmk


Quelle: Badische Zeitung vom Dienstag, 20. Januar 2004