So etwas gibt es nur in Freiburg: Ein grüner OB lässt mit Hilfe ganz anderer "Grünen" im grünsten Stadtteil ein besetztes Haus räumen. Es ist nicht mehr und nicht weniger als ein umstrittener, aber eben demokratisch legitimierter Beschluss des Gemeinderates umgesetzt worden. Am Ende war es, Gott sei Dank, eine "Räumung light", bei der niemand auch nur eine Schramme davon getragen hat. Das lag zum einen an der richtigen Strategie der Polizei, die die Zahl ihrer Einsatzkräfte am untersten Limit hielt und moderat aufgetreten ist. Zum anderen trugen zur Deeskalation auch die Hausbesetzer bei, die bei ungünstiger Witterung vielleicht gar nicht einmal so ungern Haus 053 verlassen haben. Mit Verlaub: Die Demonstranten, die dann am Abend bei der Demo in den Innenstadt etwas von "Übergriffen" der Polizisten und "aggressivem Vorgehen" ins Megaphon riefen, müssen bei einer anderen Räumung in einer anderen Stadt gewesen sein. Natürlich ist die Vauban-Initiative bitter enttäuscht, weil sie viel Engagement und Herzblut in ein Projekt fließen ließ, das nun ein großer gelber Bagger in handliche Stücke haut. Doch auch wenn die Kasernengebäude nun nicht mehr sind: Das in der Tat wichtige Thema "Sozialer Wohnungsbau" hat sie auf die Tagesordnung gehoben. Die ersten Reaktionen deuten darauf hin, dass die Stadträte hier neu ansetzen wollen. Es werden sich hoffentlich Projekte finden, für die sich leichter eine Finanzierung zimmern lässt. Am Ende, das mag ein kleiner Trost sein, wäre dann doch nicht alles ganz vergebens gewesen.

Joachim Röderer


Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 14. Januar 2004