Politik ist ein schwieriges Geschäft. Wie schwierig, das zeigt sich aktuell an der Hausbesetzung im Vauban. Niemand reißt gerne Häuser ab, zumal wenn sie von der Substanz her in Ordnung sind und es sowieso an günstigen Wohnungen mangelt. Die Entscheidung, es trotzdem zu tun, ist dem Gemeinderat nicht leicht gefallen. Hoffen doch alle in Zeiten knapper Kassen auf das bürgerschaftliche Engagement; und wenn sich dann Bürger zusammen tun, um eine gute Idee Realität werden zu lassen, dann ist es umso bedauerlicher, wenn sie scheitern.

Der Frust nach zähem Ringen um die Häuser ist groß - und zielt bei den Mitstreitern von "Drei 5 Viertel" vor allem auf den OB, der als langjähriger Bekannter vieler Vauban-Aktivisten im grünsten aller Stadtteile erst recht in einem Dilemma steckt. Schließlich ist er nicht nur Grüner, sondern Oberbürgermeister für die gesamte Stadt. Sonderbehandlungen kann er sich nicht erlauben. Doch wieder mal macht sich die Kritik an ihm vor allem daran fest, dass er sich nicht die Zeit für ein Gespräch genommen habe. An seinen Stil, nicht alles an sich zu reißen, sondern an die zuständigen Dezernenten zu delegieren, haben sich nach langen Jahren unter Rolf Böhmes Rathaus-Regie noch längst nicht alle Bürger gewöhnt. Wenn ihnen etwas am Herzen liegt, dann wollen sie mit dem OB persönlich darüber reden.

Ein Gespräch, in dem beide Seiten ihre durchaus verständlichen Argumente austauschen können, hinterlässt einen kleineren Scherbenhaufen als die Räumung eines besetzten Hauses. Vielleicht hören Stadtverwaltung und -räte doch noch ein letztes Mal zu. Die gestrige Spontanrunde vor dem Rathaus könnte der Anfang gewesen sein, um - wie von den Vauban-Leuten vorgeschlagen - zumindest eines der Häuser zu retten.

Andrea Drescher


Quelle: Badische Zeitung vom Montag, 12. Januar 2004