Bernhard Schaub

Schweizer Holocaust-Leugner soll in Freiburg reden

Dieser Beitrag will bewusst nicht kommentieren, sondern möglichst viel beschreiben und zitieren. Das Ziel soll es keinesfalls sein, die vorgestellten Behauptungen und Verleumdungen zur Diskussion zu stellen. Darum kann und darf es nicht gehen! Es geht lediglich darum, vorzustellen, welche völlig absurden, menschenverachtenden und hetzerischen Behauptungen der Mann vertritt und veröffentlicht, der am 17. Januar hier in Freiburg als Referent auftreten soll.

Holocaust-Leugner

Holocaust-Leugner wollen die "orthodoxe Sieger-Geschichtsschreibung" revidieren und den "Auschwitz-Mythos" (so der Titel eines "Klassikers" von Wilhelm Stäglich") zerstören. Die Erinnerung und das historische Wissen um die planmäßige und industrielle Vernichtung von Juden stehen jenen im Weg, die den Nationalsozialismus wieder hoffähig machen wollen. Also muss dieses "Hindernis" weggeleugnet werden. Die Funktion des Negationismus ist es, aus den einstigen Tätern des Holocaust Opfer zu machen, Opfer einer (jüdisch gesteuerten) Geschichtslüge. Häufig bedienen sich Negationisten (so werden Holocaust-Leugner in Abgrenzung zu den "Revisionisten" genannt) dabei drei Methoden:

- Sie leugnen die Massenmorde und Konzentrationslager, ohne wissenschaftliche Belege zu verwenden.
- Sie produzieren Fälschungen und fingierte Dokumente als Gegenbeweise.
- Sie manipulieren und verfälschen mittels selektiver oder einseitiger Auswahl von Quellen die historischen Tatsachen.

Die Szene der Holocaust-Leugner hat sich international strukturell verfestigt.

Antirassismus-Strafnorm

1994 wurde in der Schweiz die "Antirassismus-Strafnorm" geschaffen. Der entsprechende neue Strafgesetzartikel 261 stellt Rassendiskriminierung unter Strafe. Zuvor war die Schweiz eine Rechtsinsel, von der aus problemlos Bücher verbreitet werden konnten, die in den anderen Ländern schon seit langem unter Strafbestimmungen fielen. Die "Antirassismus-Strafnorm" trat am 1. Januar 1995 in Kraft.

Gründung der AEZ

Im März 1994, also wenige Monate vor der Referendum-Abstimmung über die "Antirassismus-Strafnorm", kam es zur Gründung der Bernhard Schaub "Arbeitsgemeinschaft zur Enttabuisierung der Zeitgeschichte" (AEZ), die später in "Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Zeitgeschichte" umbenannt wurde. Die Gründer waren vier ehemalige Lehrer: Arthur Vogt, Andreas Studer, Jürgen Graf und Bernhard Schaub.

Das Organ der AEZ war die Zeitschrift Aurora, die im Frühjahr 1994 das erste Mal erschien und es bis 1997 auf 13 Ausgaben brachte, bei einer Auflage von 100-200 Exemplaren. Die Gründungsmitglieder der AEZ verschickten nach eigenen Angaben an angeblich 6000 Adressen aus Hochschule und Politik ein 4-seitiges Pamphlet mit dem Titel "Zurück ins Mittelalter?". Außerdem verbreiteten sie die Hochglanzbroschüre "Das Rudolf-Gutachten", die die Existenz von Gaskammern in Auschwitz leugnet. Dabei wird deutlich, dass es ihr angestrebtes Ziel ist, kontradiktorische Veranstaltungen mit Geschichtsprofessoren auszurichten. Und also, dass ihre Thesen denen der etablierten Geschichtsforschung gleich zu gleich gegenübergestellt werden. Hier sind zwei Zitate aus dem Pamphlet, in dem sich die Holocaust-Leugner selbst als "Revisionisten" bezeichnen und versuchen, ihre "Theorie" als wissenschaftlich relevante Theorie vorzustellen:

"Nach Auffassung der Revisionisten gab es weder einen Plan zur physischen Vernichtung der Juden noch Gaskammern (es sei denn solche zur Tötung von Läusen). Die Zahl der jüdischen Opfer von Krieg und Verfolgung in Hitlers Machtbereich beträgt nach revisionistischer An-sicht nur einen Bruchteil der mythischen sechs Millionen, wobei die meisten dieser Menschen nicht ermordet wurden, sondern in Ghettos und Lagern an Epidemien und Entkräftung starben."

"Mitglieder der AEZ sind jederzeit gern bereit, sich in einer öffentlichen, sachlichen Debatte mit Vertretern des offiziellen Holocaust-Bildes auseinanderzusetzen. Letztere müssen allerdings gleich zu Beginn der Diskussion darlegen, wie die Gaskammern funktioniert haben und mit welchen Mitteln man die drei bis vier Millionen Leichen in den ’Vernichtungslagern’ beseitigt hat."

Bernhard Schaub

Bernhard Schaub, der auch unter den Pseudonymen "Hans Herzog" und "E. Wolff" veröffentlicht, wurde 1954 in Bern geboren und bezeichnete sich selbst folgendermaßen: "Ich bin Sozialhilfeempfänger, ich bin staatlich bezahlter Rechtsextremer". Schaub war Lehrer für Deutsch und Geschichte an der anthroposophischen Rudolf-Steiner Schule in Adliswill. Nach dem Erscheinen seines Buches "Adler und Rose" wurde er im Januar 1993 entlassen.

"Adler und Rose"

Das Buch "Adler und Rose. Wesen und Schicksal des deutschsprachigen Mitteleuropa" wurde im Oktober 1992 veröffentlicht. Darin geht es hauptsächlich um die "geistige und politische Geschichte des mitteleuropäischen Kulturraumes". Schaub bestreitet in "Adler und Rose" den Genozid an den Juden während des Nationalsozialismus. Er fordert: "Man muss jetzt endlich mit professionellen Methoden vorgehen, wie bei jedem gewöhnlichen Mordprozess, so dass am Ende feststeht, wer wann wo wen womit umgebracht hat." Der Zweite Weltkrieg sei ein Präventivkrieg Hitlers gewesen und die Schweiz sei heute das "Ziel einer jüdischen Verschwörung, die eine ’Neue Weltordnung’ errichten will".

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Bernhard Schaub (li.) und Sacha Kunz im Schweizer Fernsehen

Bernhard Schaub war Funktionär und Chefideologe der rechtsextremen "Partei National Orientierter Schweizer" (PNOS) mit zahlreichen gewaltbereiten Nazi-Skinheads. Die PNOS definiert sich selbst als "radikal - national - sozial". Schaub schrieb für das Parteiorgan "Zeitgeist" zahlreiche Kolumnen und ist wahrscheinlich Verfasser des Parteiprogramms der PNOS.

Vortrag in München

Bis 1999 war Schaub "pädagogischer Mitarbeiter" bei der Migros-Klubschule in Frauenfeld (Ost-Schweiz), und dort zuständig für die Kursleiter-Betreuung und Lehrerinnen- und Lehrer-Einstellungen. Nach einem Vortrag in München wurde er wohl sogar dort entlassen. Bei diesem Vortrag beim "Münchner Bürgerverein" im Juni 1999 hetzte Schaub: "Die Globalisten haben bereits zweimal in diesem Jahrhundert verhindert, dass in Deutschland ein starker Nationalstaat entsteht. Der Nationalsozialismus ist ein großartiger Versuch gewesen, der fehlgeschlagen ist." Europa sei die "Heimat der weißen Rasse" und die Anwesenden beschwor Schaub, dass "die Wiege der weißen Menschheit nicht zum Auffangbecken für Krethi und Plethi aus aller Welt wird". Es solle "wieder ein homogener Volkskörper" hergestellt und verhindert werden, dass "an jeder Ecke ein Neger, Kebab-Stand und Südamerikaner" stehe. Auch will Schaub keinen "elektronisch verzerrten Negerjazz aus Amerika, den man Pop nennt". Schaub ließ sich übrigens als Lehrer vorstellen, der auf dem Gebiet der Erwachsenenpädagogik" tätig sei.

Bernhard Schaub tritt bei zahlreichen Veranstaltungen rechtsextremer Organisationen als Redner auf. Dabei sind sowohl junge Neonazis und rechte Skinheads Gäste, als auch ältere Jahrgänge, wie zum Beispiel Walter Stoll, ehemals Mitglied der Waffen-SS. Ein Schwerpunkt seiner Propaganda sind Vorträge zur germanischen Mythologie. Davon zeugen Titel wie: "Der Gral als europäisches Zentralsymbol", "Runen und Germanische Mythologie", "Wer sind die Germanen - woher kommen sie? Götter und Runen" oder "Hintergründe der germanischen Mythologie" . Dabei phantasiert Schaub von "Hintergrundmächten", welche mittels einer Weltdiktatur die Einebnung alles "Völkischen, Kulturellen, Eigenständigen" erstrebten.

Schaub bei deutschen faschistischen Organisationen

Als Redner aktiv ist Schaub auch in Deutschland. Referent war Schaub bereits bei Organisationen wie der NPD, des "Bündnis Rechts" (BR), der "Deutsche Liga für Volk und Heimat" (DLVH), des "Freundeskreis Ein Herz für Deutschland", des "Freundeskreis Franz Schönhuber" und der "Bewegung deutsche Volksgemeinschaft" (BDVG), um nur einige zu nennen.

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Rudolf-Heß-Marsch

So war Schaub zum Beispiel Gast der NPD in der baden-württembergischen Stadt Senden, welche den Faschisten bereitwillig die Räume im Haus des Bayrischen Roten Kreuzes vermietete. Am gleichen Tag trat Bernhard Schaub neben Lars Käppler und Christian Worch bei der Demonstration gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" in Schwäbisch Hall auf, die von der BDVG organisiert wurde.

Gründung der NAPO

Heute ist Bernhard Schaub nicht mehr Mitglied der PNOS. Er selbst behauptet, freiwillig ausgetreten zu sein. Schaub gründete die "Nationale Außerparlamentarische Opposition" (NAPO). Die "Leitsätze" der NAPO belegen deren rassistisches Weltbild: Die NAPO strebt "kinderreiche weiße Familien" an. Sie betrachtet "Kulturfremde und Fremdrassige" als "Zivilbesatzer", die darin "regulären Soldaten von Besatzungsarmeen" gleichen würden. Außerdem fordert die NAPO deren "Rückführung" in ihre Heimat, also deren Vertreibung aus der Schweiz. Die NAPO will allerdings "keine Partei", sondern die "Sammelbewegung für den echten nationalen Widerstand in der Schweiz" sein. Die "Leitsätze" sind als Broschüre gedruckt und werden von Schaub in seinem Verlag "WotansWort" vertrieben. Laut Bernhard Schaub steht die PNOS nicht "hinter" der "Nationalen Außerparlamentarischen Opposition", sondern sie sei der parteipolitische Flügel derselben.

Antifas durchsuchen Schaubs Auto

Eine erfreuliche Begebenheit ereignete sich am 9. August 2003, an dem ein Parteitag der PNOS stattfand: Die Antifa Bern "untersuchte" das Auto von Schaub "auf rassistisches und neo-nationalsozialistisches Propaganda-Material". Was dabei "konfisziert" wurde ist für die Recherche über Schaubs Verbindungen und Bedeutung enorm hilfreich. So ging Schaubs privates Adressbuch mit 339 Adressen ebenso in die Hände antifaschistischer AktivistInnen über, wie auch sein Handy mit über 250 gespeicherten Telefonnummern und Schaubs Agenda 2003. Auch wurde eine "CD der Marschmusik der Waffen-SS", das Liederbuch des Freibundes, Propagandamaterial der NAPO sowie unzählige Broschüren von Schaubs "Reich Europa" gefunden. Die Bildmitteilung auf Schaubs Handy zeigte übrigens ein Hakenkreuz und "Heil Hitler". Die Einträge im Adressbuch machen klar, dass Schaub quer durch die Schweiz als Drehscheibe wirkt, mit besten Kontakten zu "deutschen Kameraden" und mehreren deutschnationalen Organisationen. Ebenso wird der Versuch deutlich, eine Verschiebung der radikalen Rechten in etablierte Kreise zu erreichen. So ist unter anderem der Nationalrat und "Schweizer Demokrat" Bernhard Hess im Adressbuch aufgeführt. Schaub nennt ihn übrigens liebevoll "Benno". Auch Martin Frischknecht, ebenfalls einstiges Mitglied der "Schweizer Demokraten", findet sich als Eintrag in Schaubs Adressbuch. Dieser gründete inzwischen seine "Partei Interessengemeinschaft Gesundheit" und ist sich nicht zu blöde für Aussagen wie diese: "Ich bin kein Extremist. Was mich interessiert, ist die Gesundheit. Ich bin weder links noch rechts, ich bin normal." Der Kontakt zwischen den Schweizer Demokraten und dem äußersten rechten Rand funktioniert wohl. Dies kommt denen zu Gute, die so völlig absurde "Theorien", wie die der Holocaust-Leugner, hoffähig machen wollen. Wie zu Beginn dargelegt, stellt es eines der größten Ziele dieser Menschen dar, ihre abwegigen Ideen in die öffentliche Diskussion und insbesondere in den ernsthaften wissenschaftlichen Diskurs zu tragen.

Jeder einzelne Auftritt von Holocaust-Leugnern ist einer zuviel und muss verhindert werden! Wir rufen auf zur Blockade der Veranstaltung der BDVG mit Bernhard Schaub am 17. Januar 2004!


Dieser Text ist - zusammen mit Texten über Kameradschaften und die BDVG - auch in unserer Broschüre.