Artikel für das u-asta-info #756

Der Artikel mit dem Titel „feuerteufel - oder: wie man keine fans gewinnt“ (u-asta-info #755), der auf unerträgliche Weise einen Zusammenhang zwischen einer angekokelten Stellwand des RCDS, einer verbrannten Deutschlandfahne und historischen Ereignissen aus der Zeit des Nationalsozialismus (NS) konstruiert, erfordert eine Reaktion.

Der Autor des Artikels schildert zunächst die aus seiner Sicht „traurigen Fakten“: Vor wenigen Monaten seien Hinweiszettel an zwei Stellwänden „ausgerechnet“ des RCDS abgebrannt. Wenig später hätten dann „anti-deutsche Gefühle“ dazu geführt, dass in der Belfortstraße eine Deutschlandfahne angezündet worden sei. Aus der Perspektive des gemeinen deutschen Patrioten dieser Tage mag eine Kritik an diesen Ereignissen nachvollziehbar sein, aus u-asta-Kreisen kommt sie jedoch recht unvermutet.

Im weiteren Verlauf des Artikels öffnen sich Abgründe: In einer einfach gestrickten Argumentationskette verallgemeinert der Autor die angezündeten Gegenstände als „das Böse“, das von den AnzünderInnen als „schädlich“ angesehen wird, und überträgt die Vorkommnisse direkt auf den NS. Denn auch damals konnte „man mit dem Bösen machen, was man will“. Es bleibt unklar, worauf hier angespielt wird: Die Bücherverbrennungen 1933? Die brennenden Synagogen in der Reichspogromnacht im November 1938? Die Shoa, der planmäßige Massenmord an den Jüdinnen und Juden? In jedem Fall ist der Vergleich nicht nur unpassend, sondern eine eindeutige Verharmlosung und Relativierung deutscher Taten während der Zeit des NS. Mit diesem Vergleich vertritt der Autor offen die Totalitarismustheorie, die unter völliger Ausblendung der Motivation politisch Handelnder eine Kategorie „Extremismus“ definiert, um auf diese Art eine angebliche Wesensverwandschaft von Links und Rechts konstruieren zu können.

Der NS-Vergleich zeigt auch, dass mehr als 60 Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus Aufklärung weiterhin und verstärkt notwendig ist. Wie sonst könnte man die Äußerung des Autors einordnen, man sei in der Schule „mit allem Wissens- und Nichtwissenswerten zum Dritten Reich erschlagen“ worden? Aus diesem Satz spricht der weit verbreitete Wunsch, doch endlich einen Schlussstrich unter die deutsche Vergangenheit zu ziehen, um endlich wieder ein unverkrampftes Verhältnis zur Nation haben zu dürfen. Die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit wird als von außen aufgetragene Pflicht, als zu ertragendes Leid empfunden. Nur allzu gern versteht man sich in Deutschland als Opfer im Land der Täter. Oder wie der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex es ironisch-treffend formulierte: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Es kann nur darüber spekuliert werden, was den Verstand des Autoren tatsächlich erschlagen hat. Eine Überdosis notwendiger Aufklärung über deutsche Geschichte darf jedoch als Ursache ausgeschlossen werden.

Vor dem Hintergrund seiner eigenen Äußerungen mutet es seltsam an, dass der Autor den Studierenden Sensibilität bezüglich faschistischer Tendenzen zuspricht. Schon bei dem Abbrennen einiger Zettel und einer Fahne sieht er die Gewaltfrage als gestellt und will als Motive lediglich niedere Beweggründe wie „Spaß an Zerstörung“ oder „Hass“ erkennen, völlig verkennend, dass es wegen der ideologischen und personellen Kontinuität zwischen dem NS und der BRD durchaus gute Gründe gibt, deutsche Staatssymbole anzugreifen, ohne dass gleich ein Wiederaufleben des Faschismus befürchten werden muss. Ganz im Gegenteil.

Entlarvend ist schließlich auch die Anbiederung des Autors an den RCDS. Schon die Berufung auf eine vermeintlich bedrohte „politische Kultur“ durch das Ankokeln einer Stellwand ist aus der Feder des RCDS blanker Hohn. Schließlich kämpft der RCDS seit Jahren gegen das allgemeinpolitische Mandat der Nord-Asten, was nun wirklich nicht für „politische Kultur“ spricht, sondern eher nach einem Maulkorb für politisch anders Denkende riecht. Dass der Autor diese Argumentation sogar noch aufgreift, ist umso unverständlicher, als der RCDS auch im Uni-Wahlkampf 2006 wieder die Abschaffung des u-Modells forderte. Eine solche Solidarisierung des Autors, langjährigen Pressereferenten und designierten u-asta-Vorstands mit dem RCDS lässt für die Zukunft des u-Modells jedenfalls nichts Gutes erahnen.

Antifa Freiburg