Unfriedliche Demo gegen Repression

Demonstranten widersprechen der offiziellen Darstellung der Polizei / Mehrere Verletzte auf beiden Seiten

Dass es bei einer samstäglichen "Demonstration gegen Repression" teilweise zu erheblichen Angriffen sowohl gegen Polizeibeamte als auch gegen Sachen gekommen sei, berichtet eine Pressemitteilung der Freiburger Polizeidirektion. Dem widersprechen einige Teilnehmer und Passanten heftig. So auch Alexander Grede, der von Anfang bis Ende vorne im Demonstrationszug mitlief.

Von unserer Redakteurin Julia Littmann

Um 14 Uhr war der Platz der Alten Synagoge von den Einsatzkräften der Polizei weiträumig umstellt. Es galt, die Innenstadt gegen etwa 200 Demonstranten abzuschirmen, die sich - laut diverser Aufrufe im Internet - unter anderem solidarisch mit der "Umsonst- Aktion" zeigen sollten. Der bundesweite Aufruf zur "kostenlosen Selbstbedienung" hatte in Freiburg kürzlich zu einer Hausdurchsuchung in einer Wohngemeinschaft geführt - auch dieses ein Anlass für die Demonstration.

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Da wirkte die vorweihnachtliche Straßendemonstration eher deplatziert: Am Samstagnachmittag gerieten Demonstranten und Polizei in der Freiburger Innenstadt rüde aneinander.

Die Aggression sei von der Polizei ausgegangen, so Alexander Gredes Vorwurf. Schon vor Beginn des Umzugs sollen Polizisten einzelnen Teilnehmern gedroht haben: "Du bist nachher dran!" Und auch u-Asta- Vorstand Daniele Frijia bemängelt: "Wir konnten nicht feststellen, dass die Polizei deeskalierend wirken wollte." Anders schildert das Polizeipressesprecher Ulrich Brecht: "Wir haben auf gewisse Verhaltensweisen seitens einiger Demonstrationsteilnehmer reagieren müssen." Stadtrat Michael Moos von der Linken Liste hingegen protestiert gegen die "durch nichts gerechtfertigte Härte des Polizeieinsatzes" und fordert von der Polizeiführung eine Erklärung für die Einkesselungstaktik.

Durch Innenstadt und Fußgängerzone nämlich wurden die Demonstranten "eingekesselt" geführt. Ein kurioses Bild für die verwunderten Passanten: Dicht an dicht eingekreist von zeitweise zwei Reihen Polizisten rückten die Demonstranten vor, skandierten Sprüche und informierten per Lautsprecher über ihr Anliegen. "Die schwätzet doch gar kei’ Deutsch", wunderte sich eine Shopperin, und ein anderer schimpfte: "Das sind sicher die Linken!" Etliche waren verärgert, weniger über die Störung als über die Parolen, in denen unter anderem "Alles für alle und zwar umsonst!" verlangt wurde. Viele allerdings äußerten Befremden über die hohe Polizeipräsenz. So auch der Freiburger Historiker Michael Berger, ein Demo-Zaungast: "Wozu das riesige Polizeiaufgebot?" Ein Polizist klärte ihn auf: "Wegen der KTS." Und tatsächlich zählte der Erhalt des Kulturtreffs in Selbstverwaltung zu den Forderungen des Demonstrationszuges.

Am Bertoldsbrunnen kam der Zug zum Stehen, ein Feuerschlucker agierte inmitten der Demoteilnehmer - und es kam kurzzeitig zu erheblichem Tumult, es flogen Eier und leere Flaschen - und umgehend gingen die Polizisten mit einem Schlagstockeinsatz in die Menge. Eine Flüssigkeit löste bei Polizisten und Demonstranten Gesichtsverletzungen aus - ob Spiritus von Demonstranten oder Pfefferspray von Polizisten der Auslöser war, ist noch ungeklärt. Klar sei jedenfalls, heißt es in der polizeilichen Pressemitteilung, dass Demonstranten die Scheibe einer Straßenbahn eingeworfen haben. Falsch, sagt die VAG - zwar hat es aufgrund der Demo erhebliche Verzögerungen im Straßenbahnverkehr gegeben, es sei jedoch definitiv keine Scheibe zu Bruch gegangen.


Quelle: Badische Zeitung vom Montag, 20. Dezember 2004