Schattenparker im Visier der Polizei

Einsatz bei der Wagenburg am Autobahnzubringer Süd / ’’Nichts Gravierendes’’ entdeckt

Von unserem Mitarbeiter Lars Bargmann

Angekündigter Besuch: Polizei, Wirtschaftskontrolldienst und Umweltschutzamt machten gestern Morgen eine Stippvisite bei den Schattenparkern. Die Wagenburgler leben nun seit rund eineinhalb Jahren von der Stadt geduldet direkt neben dem Autobahnzubringer Süd - bezeichnenderweise an einer Sackgasse beim Sportzentrum Campus in St. Georgen. In einer solchen befinden sich nämlich auch die Verhandlungsführer von Stadt und Schattenparkern.

Die gestrige Aktion verdankte sich nach Angaben von Gabriel Winterer, Leiter des Polizeireviers Süd, vermehrten Hinweisen aus der Nachbarschaft, von Spaziergängern und eigenen Beobachtungen der Polizei, wonach bei den Schattenparkern erhebliche Bedenken gegen ein umweltgerechtes Verhalten bestehen. Das städtische Umweltschutzamt und der Wirtschaftskontrolldienst entnahmen Bodenproben, die Polizei notierte sich die Kennzeichen der Wohnwagen und Wohnmobile.

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Kritische Blicke auf Schattenparkers Fahrzeuge: Die Ordnungshüter nahmen gestern Wagen und deren Umgebung unter die Lupe.

Nach ersten Einschätzungen von WKD und Umweltschutzamt, so war vor Ort zu erfahren, habe sich indes "nichts Gravierendes" gezeigt. Allerdings fehlt den Schattenparkern eine Toilette: Nach eigenen Angaben würden sie die bei der nahe liegenden Jet-Tankstelle in der Basler Straße aufsuchen. Unabhängig davon aber wollen Stadtverwaltung und Polizei demnächst ein Gespräch mit Vertretern der Wagenburg führen, in dem es um die generelle Zukunft des Standorts gehen soll, dazu haben jedenfalls Finanzbürgermeister Otto Neideck und der Leitende Kriminaldirektor der Freiburger Polizei, Heiner Amann, brieflich aufgefordert.

"Stadtverwaltung und Polizei können - selbst bei wohlwollender Berücksichtigung ihrer Belange - diesen Zustand nicht auf Dauer hinnehmen", heißt es darin. "Wenn das so ist", sagt eine 29-jährige Wagenburglerin, "dann müssen wir uns wieder einen anderen Platz suchen. Verschwinden werden wir nicht. Wir wollen, dass diese Wohnform legalisiert wird." Dafür wäre offenbar auch Unabhängige Listen-Stadträtin Irene Vogel: "Es wäre schön, wenn die Stadtverwaltung für diese Menschen einen Platz finden würde." Für die Stadt gibt es aber nur zwei legale Wagenburgen: die im Rieselfeld und im Eselswinkel.


Quelle: Badische Zeitung vom Freitag, 26. November 2004