’’Fortuna’’ verschwindet stückweise

Ehemals denkmalgeschütztes Gaststättengebäude an der Basler Straße weicht einer Bank-Geschäftsstelle

WIEHRE. Die Abrissraupe hat schon mächtig am Gebäude der ehemaligen Gaststätte Fortuna geknabbert. Gestern war von dem Haus Nummer 66, das seit etwa 110 Jahren in der Basler Straße steht, nur noch rund die Hälfte übrig. Der frühere Eigentümer, die Fürstenberg-Brauerei, hat das Gebäude der Gaststätte, die vor zwei Jahren geschlossen wurde, an die Postspardienst-Bank Rhein-Neckar-Saar (PSD-Bank) verkauft. Diese lässt hier eine neue Geschäftsstelle bauen. Im März 2006 soll sie bezugsfertig sein.

Von unserer Mitarbeiterin Sonja Kreuz

Das künftige Gebäude 66 wird alleine von der Freiburger Filiale der PSD-Bank genutzt werden, die zurzeit noch in gemieteten Räumen in der Berliner Allee 3 untergebracht ist. Es entstehen also keine Wohnungen mehr, wie es sie in dem alten Gebäude gegeben hatte. "Mit der Geschäftsstelle wollen wir uns für den Markt öffnen", sagt Filialleiter Thomas Dorer. Bisher sei die Bank, die außer in Freiburg Standorte in Stuttgart und Saarbrücken hat, für die Kunden eher versteckt: "Wir haben in Freiburg bisher beispielsweise noch keine Geldautomaten oder eine größere Kundenhalle." Das soll sich in der Basler Straße ändern. Für den Neubau sei "ein offenes Schalterhallenkonzept mit Marktplatzatmosphäre" geplant, sagt Simone Pavel, Leiterin der Marketingabteilung der PSD-Bank in Stuttgart: "Das Besondere an dem Gebäude wird sein, dass es ausschließlich durch Grundwassernutzung klimatisiert wird und daher keine fossilen Brennstoffe benötigt." Auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern werden 40 Angestellte arbeiten. Die geplanten Investitionskosten belaufen sich auf etwa 6,6 Millionen Euro. Der Spatenstich ist für den 9. Dezember angesetzt.

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Na dann tschüs: Das frühere "Fortuna"-Gebäude wird derzeit ein Raub der Bagger.

Das Fortuna-Gebäude gehörte bis April 2002 der Riegeler Brauerei, danach der Fürstenberg-Brauerei, die das Riegeler Unternehmen gekauft hatte. Fürstenberg hatte zu diesem Zeitpunkt allerdings schon entschieden, "alle nicht betriebsnotwendigen Brauerei-Immobilien" zu verkaufen - dazu gehörte neben der Gaststätte Fortuna unter anderen auch der Kleine Meyerhof in der Rathausgasse.

Wirt der Fortuna war seit 1962 Manfred Müller, der das Gasthaus im September 2002 aufgrund des Verkaufs durch die Fürstenberg-Brauerei als einer der damals dienstältesten Gaststättenpächter Freiburgs aufgeben musste. Im Dezember 2003 kaufte die PSD-Bank das Haus mit dem Plan, es abzureißen und an seiner Stelle ein Bürogebäude zu errichten. Den bis dahin noch im Haus verbliebenen Mietern kündigte die Bank auf Ende April. "Über ein Maklerbüro waren wir den Leuten behilflich, adäquate neue Wohnungen zu finden", sagt Simone Pavel.

Zum Zeitpunkt des Verkaufs an die Bank hatte das Bauverwaltungsamt dem Gebäude den Status "denkmalgeschützt" bereits aberkannt, den das Fortuna-Haus seit den frühen 1980er-Jahren besessen hatte. Den Antrag dafür hatte der damalige Besitzer, die Fürstenberg-Brauerei, gestellt. Laut Stadtsprecherin Petra Zinthäfner konnten die Besitzer über Gutachten nachweisen, dass es zu teuer gewesen wäre, das Haus als denkmalgeschütztes Objekt zu erhalten. Das Bauordnungsamt erteilte daraufhin die Genehmigungen für den Abbruch und einen Neubau. Zuletzt war das ehemalige Gasthaus im Januar in den Schlagzeilen gewesen, als es elf junge Leute nach einer antifaschistischen Kundgebung aus Solidarität mit den damaligen Besetzern des Hauses 053 im Stadtteil Vauban für eine Nacht besetzt hielten.


Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 3. November 2004