Hartz IV bleibt für viele ein rotes Tuch

Informationsabend der Grünen zur Arbeitsmarktreform / Keine Chance für sachliche Diskussion

Noch immer sorgt die Arbeitsmarktreform Hartz IV für Aufregung. Das bekamen auch die Grünen auf der Veranstaltung am Donnerstagabend zu spüren, zu der sie in die Katholische Akademie eingeladen hatten, um "über die beschlossenen Veränderungen für erwerbslose Menschen" zu informieren. Mehr als hundert Besucher folgten der Einladung.

Die Organisatoren hatten sich Mühe gegeben, der Veranstaltung einen möglichst nüchternen Rahmen zu geben. In Kurzreferaten erläuterten die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae, die Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann und Stadtrat Gerhard Frey "die Entwicklungen und Folgen der Reformen" auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Als kompetente Verstärkung wurden die Leiter des Sozial- und Jugendamtes, Peter Marquard und ManfredCadeck, fürs Podium gewonnen. Ein vorab verteiltes, 22-Seiten starkes Informationsheft und Zettel für Fragen der Besucher an die Referenten sollten eine sachliche Atmosphäre herstellen. Die Veranstaltung verlief aber alles andere als ruhig.

Schon die erste Frage von Kerstin Andreae, ob Hartz IV zumutbar oder zukunftsfähig sei, wurde von Teilen des Publikums mit höhnischem Applaus beantwortet. Die Aufzählung der Punkte im Gesetz, mit denen die Grünen-Fraktion selbst nicht einverstanden ist, vermochte die Gemüter kaum zu beruhigen. Mit Tröten und sarkastischen Zwischenrufen zwang eine Gruppe von Hartz-Gegnern die Referentin immer wieder, ihren Vortrag zu unterbrechen. Nur mit Mikrofon konnte sich die Rednerinnen und Redner noch Gehör verschaffen. Nicht nur die Protestierer aus der letzten Reihe äußerten ihren Unmut: Etliche weitere Zuhörer reagierten äußerst aufgebracht auf die Vorträge. Die Stimmung wurde nach einer Stunde immer gereizter. Besucher brüllten sich gegenseitig an, und der Versuch, die meist jugendlichen Störer aus dem Saal zu drängen, führte kurzzeitig zu Tumult.

Nach einer weiteren Stunde blanker Fakten und hitziger Reaktionen war dann die Luft raus. Die Reihen lichteten sich, noch ehe die Fragerunde begann. Die Referenten auf dem Podium sanken erschöpft auf ihre Stühle, die Zuhörer waren müde, und die Organisatoren dürften froh gewesen sein, dass sie nach fast drei Stunden die Veranstaltung hinter sich gebracht hatten.

GRU


Quelle: Badische Zeitung vom Samstag, 9. Oktober 2004