Plädoyer für Utopien

EIn unserer Artikelserie über die 48 Mitglieder des neuen Gemeinderates stellen wir heute Michael Moos (Linke Liste/Solidarische Stadt) vor.

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Michael Moos

Dass er sich weit auf der linken Seite politisch daheim fühlt, hat er schon als 20-jähriger Jurastudent in Freiburg bewiesen. Engagiert war das SDS-Mitglied Michael Moos dabei, als Ende der 60er-Jahre massiv gegen "Imperialismus und kapitalistische Ausbeutung" demonstriert wurde. Bald trat er als eloquenter Vertreter der Kommunistischen Bundes Westdeutschlands auf, "wobei der Realsozialismus im Ostblock nie meiner Vorstellung entsprochen hat". Fraglos ist dieser Kampf gegen alles, was er als Ausbeutung oder Fremdenfeindlichkeit wahrnahm, vor dem Hintergrund seiner persönlichen Vita zu erklären. Sein Vater war überzeugter Sozialist, und nachdem die jüdischen Eltern in der Nazizeit zur Flucht aus ihrer Heimatstadt Ulm gezwungen worden waren, wurde Michael Moos 1947 in Tel Aviv geboren.

Seit 1974 hat er sich in Freiburg als Anwalt einen Namen gemacht, er ist Familienvater dreier Kinder, begeisterter Jogger, Kicker und SC-Fan. Seine politische Einsatzfreude hat er indes seit 1999 als beredter Vertreter der Linken Liste/Friedensliste im Gemeinderat bewiesen. Und als Topkandidat der Linken Liste/Solidarische Stadt hat er nun wieder souverän ein Mandat errungen. Er wird dem neuen, von ihm mit initiierten Migrationsausschuss angehören. Und im Hauptausschuss will er dazu beitragen, "dass zuvörderst in Kultur, Wissenschaft und Schulen investiert wird, nicht aber in eine Messeerweiterung." Was er im Gemeinderat vermisst? "Den Mut zu langfristigen Konzepten, zu Utopien." Er selber hält an seiner Grundüberzeugung fest: "Ich fühle mich als Sozialist. Der Kapitalismus kann nicht das letzte Wort sein."

Reinhard Leßner


Quelle: Badische Zeitung vom Dienstag, 24. August 2004