Steinernes Zeugnis der Revolution

Engagierte Bürger restaurieren die Grabstätte des 1849 hingerichteten Maximilian Dortu / Historische Pflicht der Stadt

WIEHRE. "Hier ruht Maximilian Dortu aus Potsdam. 23 Jahre alt, erschossen den 31. Juli 1849. Mit ihm vereint seine Eltern, deren einzige Freude und Hoffnung er war." Kaum noch zu entziffern ist die Inschrift am Grabmal des Revolutionärs Dortu auf dem alten Wiehremer Friedhof. Der verwitterten Gedenkstätte hat sich nun eine Initiative engagierter Freiburger Bürger angenommen. Am Samstag restaurierten zunächst drei Auszubildende der Gewerbeakademie der Handwerkskammer die das Grab abgrenzende Mauer.

Von unserem Mitarbeiter David Motadel

Beim Erhalt der Gedenkstätte geht es auch um eine historische Verpflichtung der Stadt: Nach Dortus Hinrichtung wegen seiner Beteiligung an der Badischen Revolution 1948/49 errichteten ihm seine Eltern das Mausoleum. Auch sie selbst ließen sich dort später beerdigen und vermachten der Stadt 1000 Gulden (umgerechnet auf heutige Währung rund 250 000 Euro), um das Grab "auf immer und ewig" zu pflegen.

Nachdem das Grab in den letzten Jahren zunehmend unter dem Einfluss der Witterung gelitten hatte, gründete vor einem Jahr rund ein Dutzend engagierte Bürger zu dessen Erhalt eine Initiative: "Gedenkstätte Maximilian Dortu - Initiative zur Erinnerung an die Badische Revolution 1948/49". Schon der Name weist darauf hin, dass es um mehr geht, als das Einhalten alter Versprechen oder gar Personenkult: "Mir geht es darum, den Gedanken an die Freiheitsbewegung wach zu halten und um die Erinnerung an die demokratische Tradition in Deutschland", erklärt der Initiator Heinz Siebold. Der Rechtsreferendar Dortu hatte sich 1849 in Baden der Revolutionsarmee angeschlossen, nachdem er aus Berlin hatte fliehen müssen: Dort hatte er den preußischen Kronprinzen Wilhelm beleidigt. In Freiburg war er am 11. Juli 1849 wegen "Kriegsverrats" zum Tode verurteilt worden. Drei Wochen später wurde das Urteil vollstreckt.

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Angehende Maurer und Betonbauer legten am Samstag Hand an, um die beschädigte Mauer am Dortu-Mausoleum in Stand zu setzen.

Die Restaurationsgruppe mobilisierte zahlreiche Förderer und finanzierte so durch Spenden eine neue Gedenktafel. "Auch der Oberbürgermeister hat sich zur Verantwortung Freiburgs bekannt", freut sich Siebold. Die Stadt stellt 3000 Euro für die Restaurierung der verwitterten Inschrift bereit. Gewinnen konnte die Gruppe auch die drei auszubildenden Maurer und Betonbauer Sven Markstahler, Christian Seefried und Florian Söhnlein, die am Samstag die bröckelnde Mauer am Mausoleum ehrenamtlich ausbesserten. Die drei Handwerker kamen im Rahmen des Programms "Ausbildungsbegleitende Hilfen" (abH) der Handwerkskammer mit der Bürgerinitiative in Kontakt. Mit einigen Mitschülern der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule hatten sie zuvor bereits die Steine für die Mauer zurechtgeschlagen.

Für Christian Seefried ist außer der praktischen Erfahrung, die er durch diese Arbeit sammelt, auch das Projekt an sich unterstützenswert: "Durch diese alte Grabstätte konnte über eine lange Zeit hinweg etwas mitgetragen werden, und das wollen wir so lange wie möglich erhalten." Bis zum 155. Jahrestag der Exekution von Maximilian Dortu am 31. Juli will die Bürgerinitiative ihre Arbeiten an der Begräbnisstätte abschließen.

Festakt: Am Samstag, 31. Juli, findet ab 11 Uhr auf dem ehemaligen Wiehre-Friedhof (heute Spielplatz zwischen Erwin- und Dreikönigstraße) ein Gedenk- und Festakt statt. Anlässlich des 155. Jahrestags der Exekution von Dortu wird die restaurierte Grabstätte mit neuer Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben. Im Anschluss (etwa 12.30 Uhr) laden die Veranstalter zum "Revolutionsspaziergang" zu Schauplätzen der Badischen Revolution ein.


Quelle: Badische Zeitung vom Dienstag, 22. Juni 2004