Labor für soziale Veränderungen

Die Band From Monument to Masses in der Freiburger KTS

Seltsame Welt: Nicht einmal die Band selber war sich sicher, ob ihre Musik auf der ersten Europatournee auf offene Ohren stoßen würde. Kann das Punk- und Hardcore-Publikum in den einschlägigen Clubs, in die sie gebucht werden, überhaupt etwas damit anfangen? In Freiburg waren From Monument To Masses in der KTS zu Gast und hier war es wohl so wie überall: Da staunt nicht nur der Punk. Das Trio stammt aus Oakland, Kalifornien. Mit Punk und Hardcore hat die Musik der drei Asia-Amerikaner tatsächlich wenig zu tun. Schon alleine, wie der Gitarrist Matthew Solberg seine Gitarre umhängen hat: Ganz weit oben, wie man es von Jazz-Gitarristen kennt. Da geht nicht die Post ab, wie bei den beiden Hochgeschwindigkeits-Bands zuvor: End On End (Los Angeles) Hallo Kwitten (Flensburg). Trotzdem kocht der Saal - nicht nur wegen der Hitze. Und währenddessen beschleicht einen der Gedanke, dass die Kalifornier noch jedes so genannte Avantgarde-Festival bespielen könnten. Es gäbe reichlich Gründe dafür, nicht nur einen.

Der vielleicht verblüffendste ist, dass sich das Trio streckenweise anhört wie zu Zeiten, als Electric-Jazz respektive Rock-Jazz die Musikwelt revolutionierte. Vor allem der dunkle Sound, die verminderten Akkorde, erinnern an die legendären Lifetime um den Schlagzeuger Tony Williams von vor über 30 Jahren. Gitarrist John McLaughlin war damals noch wild und kein Mahavishnu, Jack Bruce am Bass, Larry Young an der Orgel. Nur dass die drei im Hier und Jetzt auf jegliche egozentrischen Duelle verzichten, ihre Stücke kommen kompakter und rifforientierter daher, Bass und Schlagzeug spielen mit HipHop-Beats, klanglich gibt es heute viel mehr Möglichkeiten, dank Effektgeräten und Sampler. Die Jahrzehnte hindurch gab es immer wieder so geartete offene Musik, vor zwanzig Jahren nannte man das No Wave, vor zehn Jahren Post-Rock, zurzeit experimentieren die meisten Instrumentalbands mit Dynamik und Rock-Strukturen. From Monument To Masses aber drehen die Schraube eins weiter.

Zumal sie keine reine Instrumentalcombo sind. Das Trio verwebt Sprachsamples in die Stücke. Eine Stimme aus der Band würde dem Kollektivgedanken zuwiderlaufen. Die Redefetzen aus Doku-Filmen, von Bush, Eisenhower über Noam Chomsky bis zu Ho Chi Min sind geschickt platziert, die Statements sollen dem Denken auf die Sprünge helfen. Auf ihrem zweiten Album "The impossible leap in one hundred simple steps" gelingt die Symbiose, beim Konzert wirkten die lauten Einspielungen in den ruhigen Passagen fast schon störend. Aber die Intention offenbart sich schnell: Geschichte wird gemacht, wenn es keinen Widerstand gibt, sprich: leise wird.

Trotzdem ist das Konzept ein Beitrag dazu, ob und wie (Pop-)Musik noch politisch sein kann. Es gab schon weitaus dämlichere und plattere Versuche. Und unbestritten: So viel Idealismus ist nicht ohne Reiz. Auf seiner Web-Site verkündet das Trio sein Credo: Ein Labor für soziale und revolutionäre Veränderungen wollen die Kalifornier sein - eine fantastische Band sind sie allemal.

Noch spielen From Monument to Masses in kleinen Clubs, aber das kann sich schnell ändern. Umso mehr war es für die KTS ein gelungenes Abschlusskonzert vor der Sommerpause. Die eigentlich keine ist. In der Basler Straße stehen Renovierungsarbeiten an. Die Elektrik wird erneuert, und eine Lüftung soll für besseres Klima sorgen. Gute Neuigkeiten, zumal sich das Klima um die KTS herum schon verbessert hat. Die Räumungsklage der Bahn liegt auf Eis. Im Moment wird verhandelt. Das Programm geht im September weiter.

Joachim Schneider


Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 4. August 2004