Dulden und warnen

Im zehnten Jahr ihres Bestehens erhält die KTS-Initiative erneut eine Abmahnung des Rathauses

Genau vor zehn Jahren musste der Kulturtreff in Selbstorganisation ("KTS") sein erstes gut besuchtes Domizil auf dem Vaubangelände räumen. Im vergangenen Februar nun geriet die KTS in die Schlagzeilen - seither ist es still geworden um die Subkultur-Aktiven. Vor wenigen Tagen noch ließ das Rathaus offiziell verlauten, in Sachen KTS gebe es "nichts Neues"; man sei "im Gespräch" mit der Initiative. Da war allerdings die neuerliche Abmahnung an die KTS bereits geschrieben.

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Bildunterschrift Seit März steht die Tür zur KTS auch bei Konzertveranstaltungen wieder offen - mit dem altbekannten Konfliktpotenzial: Anwohner beschweren sich wegen Lärm.

Von unserer Redakteurin Julia Littmann

Dass fünf Monate nach der fristlosen Kündigung und drei Wochen vor dem Gütetermin zur Räumungsklage die Kultur-Initiative nun "wegen wiederholter Ruhestörung am 22. Mai" abgemahnt wurde, verwundert eigenen Angaben zufolge auch die KTS-Macher. Es werde über den Lärmpegel gewacht - und der Mietkonflikt schien sich gütlich lösen zu lassen. Der bestand darin, dass die Deutsche Bahn AG als Untervermieterin der Veranstaltungsräume auf dem Bahnbetriebsgelände aufgrund diverser Vorkommnisse zunächst den Konzertbetrieb in der Basler Straße 103 untersagte und wenige Wochen später fristlos kündigte.

Die Gründe für das Veranstaltungsverbot und die Kündigung wurden in einer "Liste aktenkundiger Vorfälle" von der Bahn notiert - in der Klageerwiderung der KTS wird detailliert Stellung dazu genommen. Tenor: alles halb so schlimm. Nach einem Monat mit Konzerten in der Stadt, einem "Info-Tag" und mehreren Demos nahm die KTS-Ini Mitte März die Konzerte in ihren Räumen wieder auf. "Wir dulden die Konzerte", sagt Bernd Mutter von der städtischen Koordinierungsstelle, die Abmahnung sei ein "Signal, dass Spielregeln eingehalten werden müssen."

Vier Monate mit Konzerten gingen ins Land, mit Ausstellungen und Diskussionen - und fast wöchentlichen Gesprächen mit Vertretern der Stadt. Da wird, so Mutter, nach Lösungen für Konflikte gesucht, die immer wieder entstehen, am häufigsten wegen Lärm. "Wir machen da Vorschläge und setzen die um", sagen die Vertreter des KTS-Plenums, "aber langfristig müssen technische Lösungen her." Die wird es auch geben, zeigt sich Grünen-Stadtrat Gerhard Frey zuversichtlich, "insgesamt hat sich nichts geändert durch die Abmahnung."


Dieser Artikel ist Teil eines KTS-Features der Badischen Zeitung


Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 7. Juli 2004