Viele Antworten, wenig Fragen

Freiburgs Jungwähler diskutieren mit Kommunalpolitikern

"Freiburg wählt - Was wählst Du?" stand am Donnerstagabend in großen Lettern an der Wand des Katholischen Jugendbüros in der Kartäuserstraße. Davor saßen elf Kommunalpolitiker aller Parteien auf dem Podium. Das Katholische Jugendbüro hatte sie eingeladen, um Freiburgs Jungwählern die Chance zu geben, auch mal nachzuhaken, was die Parteien für die Jugend erreicht haben und künftig erreichen wollen.

Sie täten alle was - davon waren die Politiker überzeugt, wenn auch Margarete Hennemann von den Freien Wählern auf dem Podium erst einmal in ihrem Programm unter "Jugend" nachlesen musste. Verbesserungsvorschläge gab es trotzdem: Das städtische Jugendbüro beispielsweise müsse unbedingt erweitert, also personell aufgestockt werden, so Kai Schröder-Klings von Junges Freiburg. Dass die Stadt für Jugendprojekte mehr Geld als bisher ausgibt, hält die SPD-Gemeinderätin Margot Queitsch in Zeiten leerer Kassen jedoch für utopisch. "Da muss ich ehrlich sein. Wir können aber garantieren, den Standard zu halten."

Ganz andere Töne stimmte Sebastian Mohr, FDP, an: Seiner Meinung nach muss dort gespart werden, "wo nichts bei rüber kommt". Der Jugendrat sei so ein Fall: Für die 2000 Euro, die er im Jahr bekomme, arbeite der Jugendrat nicht effizient genug. "Gerade mal drei Prozent aller Jungwähler beteiligen sich an Wahlen." Zu niedrig für das viele Geld, befand Mohr. Ein Argument, das Schröder-Klings nicht gelten lassen wollte: "Der Jugendrat funktioniert doch nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen." Vielmehr biete er jungen Leuten die Möglichkeit, sich einzubringen.

Wie auch der Kulturtreff in Selbstorganisation (KTS), der ebenfalls unterstützt werden müsse - trotz aller Auseinandersetzungen: Die von der Stadt für die KTS-Initiative angemieteten Räume im Bahnbetriebswerk an der Basler Straße hatte die Deutsche Bahn AG wegen Störungen ihrer Betriebsabläufe Anfang Februar gekündigt. Sich mit den KTS-lern an einen Tisch zu setzen, könne man erst, wenn es auch Ansprechpartner gebe, so Berthold Bock von der CDU. Murren aus dem Publikum: "Da müssen sich halt die Politiker an die KTS-Jugendkultur anpassen", forderte der Schüler Alexander Grede, der selbst für den Gemeinderat kandidiert (Linke Liste). Viel mehr forderte die Jugend nicht ein. Die meisten saßen da und hörten zu.

st


Quelle: Badische Zeitung vom Samstag, 15. Mai 2004