Mag sein, dass die KTS-Initiative nicht provozieren will. Mit der für Ostersamstag angekündigten Party tut sie das aber, und das lässt nicht gerade auf politisches Gespür schließen. Die Stadtverwaltung wird durch die Offensive der Autonomen unnötig unter Zugzwang gesetzt. Als Mieterin der Räume des Kulturtreffs an der Basler Straße ist sie für diese verantwortlich. Mit der Deutschen Bahn hat sie nicht ohne Grund vereinbart, dass dort künftig keine Veranstaltungen mehr stattfinden werden. Weder Stadt noch Bahn legen diese Spielregel allzu eng aus: So hat es in den vergangenen Wochen in dem Bahnbetriebswerk diverse Vorträge, Gruppentreffen und kleinere Konzerte gegeben. Am kommenden Samstag aber soll eine richtig große Party steigen. Das Risiko, das die Veranstalter eingehen, ist groß. Sollten Partygäste - wie das in der Vergangenheit offenbar vorkam - auf dem Bahngelände randalieren, wird die Geduld der Deutschen Bahn ein Ende haben und die Stadtverwaltung nicht umhin kommen, die Räume dicht zu machen. Dies wollen weder Bürgermeister noch Gemeinderäte, die dabei sind, ein alternatives Domizil zu suchen. Die KTS-Ini, die weitere Konzerte plant, als ob es nie eine Kündigung gegeben hätte, ist auf dem besten Weg, diesen guten Willen zu verspielen. Vernünftiger wäre es, sich vorerst auf kleinere Aktionen zu beschränken und vor allem das Gespräch mit der Stadtverwaltung wieder aufzunehmen. Zumal da sich Stadträte, Professoren und am 20. März 2500 Demonstranten für den Fortbestand des Kulturtreffs eingesetzt haben, könnte sich so am ehesten eine Lösung finden.

Heike Spannagel


Quelle: Badische Zeitung vom Mittwoch, 7. April 2004