Samba und Südwester

Fasnetmendigumzug in Freiburg / Von Julia Littmann

Um punkt zwei Uhr scheint die Sonne auf den Münsterplatz und Old Shatterhand weint. Trotz Sonne geht ein empfindlich kalter Wind an diesem Rosenmontagsmittag und unter seiner Waschbärplüschkappe wartet der fünfjährige Janosch Töpfer schon seit einer halben Stunde, dass der Fasnetmendigumzug endlich losgeht. Und friert. Ein schwankender Priester taumelt vorüber, in jeder Hand ein Bier. Und ein waschbrettbäuchiger Obelix bahnt sich den Weg durch die Menge.

Etwas zögerlich kommt der Zug in Gang, erster Beifall für die "Kindskepf" mit rotem Riesenlaufstall, und endlich auch Musik: Marschmäßiges vom Fanfarenzug Griesheim. Vom Wagen der Breisgauer Narrenzunft hinab tönt’s per Lautsprecher: "Leute kauft unsere Plaketten, seid so gut!" Schneeflocken wirbeln mitsamt dem Konfetti durch die Luft, hier und da klickert eine Hand voll Guzzele aufs Kopfsteinpflaster. Die kann Old Shatterhand nur mit einer Hand auflesen: die andere hält klamm den Bärentöter. Dem erwachsenen Zugpublikum reichen die Katzen im Hasenpelz der Miauzunft auch mal kühles Pils in Flaschen.

Die Hästräger der Blauen Narren hingegen geben ideellen Input und feuern das Publikum mit Narri-Rufen zur lauten Narro-Antwort heraus. Anders die Heinstetter Hau-Giebel-Zunft. "Hau!" rufen kess die tänzelnden Majoretten. Ratlosigkeit entlang der Absperrung. Kurze Regie-Anweisung: "Hau!" Pause. "Giebel!" Und prompt ist das närrische Publikum mehrsprachig. Später kommt noch der Fasnetsruf der Seegockel aus Friedrichshafen dazu. "Kokolores", ist die Ansage - und darauf folgt "Kikeriki". Zur Narrenzunft der Seegockel gehören auch die Bächlesfischer, sturmerprobt mit Gummischurz und Südwester, mit allerlei ekligem Getier an der Angel - und zappelndem Narrenvolk im Netz. Verschleppungen gehören ebenso zum Geschäft wie herzhaftes Erschrecken. In beidem sind die Hexen aller Zünfte nahezu unschlagbar, dicht gefolgt von Teufeln und allerlei zotteligen Geistern. Unter den vielen originellen Fasnetern von außerhalb zeigen sich die Friedrichshafener besonders ansehnlich. Angesichts der Kälte hätte Old Shatterhands Vater sich nur mehr Guggemusik gewünscht. Von "Marmor, Stein und Eisen bricht" bis zu "Sloop John B." gibt’s zwar fast alles, mal schief, mal als Samba, immer laut, aber nie genug. Nicht mal, als sich ganz zum Schluss noch ein beschallter Wagen und Anhänger der "KTS-Zunft" am Ende des Zuges einreihen, laut und bunt wie alle anderen an diesem Tag.


Quelle: Badische Zeitung vom Dienstag, 24. Februar 2004