Auf der Suche nach einem Ersatz

KTS-Ini darf Konzerte im Jugenddenkmal veranstalten / Bahn listet gravierende Vorfälle auf

Die KTS-Initiative kann vorübergehend Konzerte im Jugenddenkmal (JDM) in der Passage unter dem Siegesdenkmal veranstalten. Die Verantwortlichen des JDM hätten ihre Zustimmung signalisiert, teilte gestern Rathaussprecher Walter Preker mit. Damit könnte der "Kulturtreff in Selbstorganisation" (KTS) zumindest teilweise sein Programm fortführen, nachdem die Bahn die Räume auf ihrem Betriebsgelände an der Basler Straße gekündigt hat und die KTS-Ini nur noch duldet.

Gleichzeitig will sich Oberbürgermeister Dieter Salomon "ernsthaft bemühen, einen Ersatz zu finden." Es müsse in Freiburg einen Platz geben für alternative Kultur. "Nicht umsonst hat die Stadtverwaltung in den vergangenen Jahren viel Geld dafür ausgegeben", sagte Salomon. Im Jahr 1998 war der autonome Jugendtreff von einem besetzten Haus im Quartier Vauban in das Bahngebäude gezogen, das die Stadt eigens anmietete und für damals 300 000 Mark umbauen ließ. Und sie überweist monatlich die komplette Miete von fast 2900 Euro.

Die Gespräche mit der KTS laufen auf verschiedenen politischen Ebenen. Ob die Suche nach einem neuen Standort gelingt, "hängt stark davon ab, ob die vernünftigen Kräfte in der KTS verstehen, dass wir mit ihnen kooperieren." Die Spielräume, sagt Salomon, seien nach der Demo samt Randale am vergangenen Samstag kleiner geworden. "Mit Gewalt geht nichts."

Inzwischen liegt der Stadtverwaltung eine Liste der Bahn vor, die bis ins Jahr 1998 zurückreicht und die Beschwerden aufzählt. Während die KTS-Ini nach wie vor den Eindruck erweckt, lediglich Falschparker hätten die Zufahrt blockiert, schildert die Bahn ganz andere Vorfälle: Bedienstete seien ständig beschimpft und - auch von Hunden - bedroht worden, hätten die Loks zu spät erreicht, wodurch es zu Verspätungen im Nahverkehr gekommen sei. Die Rede ist von Sachbeschädigungen, von der mit Glasscherben übersäten Zufahrt, von Partys auf dem Bahngelände, Müllablagerungen, beschmierten Waggons. Sogar Bremsklötze aus Holz, die Radachsen sichern, seien verbrannt worden. "Es ist eine Menge passiert", räumt Rathaussprecher Walter Preker ein. Anfang Dezember drohte die Bahn erstmals mit Kündigung - doch die KTS bekam die Probleme offensichtlich nicht in den Griff.

Genau das fordert die FDP in einer Pressemitteilung. Erst dann könnten sich die Liberalen für den Erhalt der KTS-Ini einsetzen. Derweil appellieren die Grünen an die Bahn, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen und mit allen Beteiligten eine Lösung zu finden.

mac


Quelle: Badische Zeitung vom Samstag, 14. Februar 2004