Gegen Faschisten jeder Couleur

Verbindungsfeindliche Frühlingsoffensive 2005

Wir dokumentieren die antifaschistische Offensive von März bis Juni 2005 gegen verschiedene Freiburger Korporationen.

Keine Häuser für Burschenschaftler

Nachdem das Haus der „Burschenschaft Teutonia“ in der Bismarckallee 1944 zum Glück zerbombt wurde, versuchen sich die Rechten nun wieder in der Innenstadt festzusetzen. Am 19. März berichtete die „Badische Zeitung“ über den geplanten Kauf des ehemaligen Centre Culturel Français:

Die Studentenverbindung Teutonia interessiert sich für die Villa am Werderring 11, in der bis zum vergangenen Sommer das Centre Culturel Français untergebracht war. Sie würde das Grundstück so lassen, wie es ist, sagte ein Vertreter der Verbindung am Donnerstag bei der Bürgerinformation zur Bebauungsplanänderung. Dennoch stoppt die Stadt das Verfahren nicht: Der Bebauungsplan für das 2600 Quadratmeter große Grundstück werde in jeden Fall geändert, teilte Stadtsprecherin Petra Zinthäfner auf Anfrage mit. Erst danach entscheide die Stadt, wem sie das Grundstück verkaufen werde. Mit dem neuen Bebauungsplan könnte der Käufer im Park des Hauses zusätzliche Wohnhäuser errichten.

Die Stadt hatte bisher keinen Investor gefunden, der das Grundstück samt Haus kaufen will. Zweimal schon hatte sie es zum Verkauf ausgeschrieben - ohne Erfolg. Die Stadtverwaltung wollte sich gestern nicht dazu äußern, ob die Studentenverbindung tatsächlich eine Chance hätte, den Zuschlag zu bekommen. "Die Stadt wird sich für den Käufer entscheiden, dessen Nutzungskonzept ihr am geeignetsten erscheint", sagte Zinthäfner. Bisher liege von Teutonia noch kein konkretes Angebot vor. Die Verbindung habe lediglich mit Vertretern der Stadtverwaltung Vorgespräche geführt. Teutonia sei das Angebot „sehr ernst“, erklärte Andre Knapp von der Studentenverbindung. Rund 1,5 Millionen Euro soll das Anwesen kosten - eine Summe, die Teutonia aufbringen könne. Die laufenden Kosten wolle die Verbindung durch die Mieten der Studenten decken, die in dem Haus wohnen sollen.

Drei andere Investoren interessieren sich ebenfalls für die Immobilie. Sie wollen allerdings nur kaufen, wenn sie auf dem Grundstück zusätzliche Häuser errichten können. Aufgrund dieser Aussage von Vertretern der Verwaltung machte der Bauausschuss deshalb Mitte Februar den Weg für die Änderung des Bebauungsplans frei (die BZ berichtete). Reinhard Schelkes vom Stadtplanungsamt betonte am Donnerstag bei der Bürgerinformation hingegen mehrfach, dass der Verkauf der Immobilie nicht der Grund für die Bebauungsplanänderung sei. Die Stadt sei rechtlich dazu verpflichtet, die freien Flächen in der Innenstadt vorrangig zu entwickeln. Er widersprach damit der Kritik der Anwohner, die Stadt wolle den Bebauungsplan nur ändern, um einen höheren Verkaufspreis zu erzielen und um den Wünschen der möglichen Investoren zu entsprechen.

Vier Varianten hat das Stadtplanungsamt für das Grundstück erarbeitet. Diese stellte Schelkes den rund 15 Teilnehmern der Infoveranstaltung vor: Anstelle der Garagen und einer Remise sieht der neue Bebauungsplan ein bis zwei dreigeschossige Häuser vor, die niedriger sein sollen als die rund 15 Meter hohe Villa. „Drei Geschosse sind viel zu hoch“, meinte ein Teilnehmer: „Das sprengt die Umgebung.“ Über die Höhe der Häuser könne man durchaus noch diskutieren, räumte Schelkes ein. Weiterhin kritisierten die Anwohner den geplanten Abriss des alten Kutscherhäuschens und die Verschattung der umliegenden Häuser durch die neuen Gebäude.

Wir antworteten am 23. März mit einem LeserInnenbrief:

„Studentenverbindung möchte Villenpark retten“, titelt die Badische Zeitung. Müssen wir der „Teutonia“ deshalb dankbar sein? Wohl kaum. Die Freiburger „Burschenschaft Teutonia“ ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung und Mitglied im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB). Die DB ist bereits hinlänglich bekannt für geschichtsrevisionistische Propaganda, die Verbreitung eines völkischen Nationalismus und einen Hang zu autoritär-militaristischen Strukturen.

Die „Teutonia“ in Freiburg bildet hier keine Ausnahme. Getreu ihrem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ präsentiert sie sich in den Korporationsfarben schwarz-rot-gold und verpflichtet alle „Teutonen“ zum Fechten von sog. Mensuren. Mitglieder dürfen nur männliche Studenten deutscher Staatsangehörigkeit werden, die den Kriegsdienst nicht verweigert haben. Die „bevorzugte Aufgabe“ der Burschenschafter ist nach eigenen Angaben „das Eintreten für die deutsche Kultur, insbesondere die deutsche Sprache und die spezifische Lebensart der Menschen, die sich der deutschen Kulturnation zugehörig fühlen“.

Die Stadt überlegt nun also, das ehemalige Centre Culturel Français dieser stramm rechten Burschenschaft zu überlassen. Sollte die „Teutonia“ tatsächlich den Zuschlag erhalten, fördert die Stadt damit nicht nur das reaktionär-patriarchale Weltbild von Studentenverbindungen, sondern macht sich außerdem zur Handlangerin national-patriotischer Umtriebe in Freiburg. Wir fordern die Stadt Freiburg auf, die politische Dimension dieser Frage in die Entscheidung einzubeziehen und den Verfechtern des Volksdeutschtums keinen Raum zu lassen.

Daraufhin erschien am 31. März in der Badischen Zeitung ein Artikel, der über unsere Kritik und die Reaktion der „Burschenschaft Teutonia“ berichtete:

Die Pläne der „Teutonia“ werden konkret: Die Studentenverbindung hat sich schon genau überlegt, wie sie die Villa am Werderring 11 nutzen könnte, die sie der Stadt abkaufen möchte. Um das rund 1,5 Millionen Euro teure Anwesen bezahlen zu können, verhandelt „Teutonia“ bereits mit einem Interessenten, der das jetzige Verbindungshaus in der Maria-Theresia-Straße in der Wiehre kaufen möchte.

Die Stadtverwaltung hat sich allerdings noch nicht entschieden, wem sie das Anwesen verkaufen will. Zurzeit ändert sie den gültigen Bebauungsplan, um im Park des herrschaftlichen Anwesens zusätzliche Wohnhäuser errichten zu können. Bisher wollte kein Investor das Grundstück samt Villa in seiner jetzigen Form kaufen. Die „Teutonia“ hat mit der Verwaltung Gespräche geführt, aber noch kein konkretes Angebot eingereicht. Mitte April gebe es die nächste Bundesausschusssitzung, in der die rund 300 Mitglieder über die Pläne debattieren würden, sagt Ernst-Ulrich Dobler von „Teutonia“: "Danach machen wir das Angebot fertig." Die Burschenschaft sei etwas in Zugzwang, da sie zunächst ihr Anwesen in der Wiehre verkaufen müsste, um den Kaufpreis für die Villa am Werderring aufbringen zu können.

Rund 20 Zimmer für Studenten möchte die Verbindung in den Obergeschossen der Villa einrichten. Im Erdgeschoss soll es eine Bibliothek geben und einen Speisesaal, in dem die „Teutonia“ den Studenten täglich ein Mittagessen anbieten will. In das ehemalige Kutscherhäuschen im Garten soll ein älteres Verbindungsmitglied mit seiner Familie einziehen. Rund 300 000 Euro würde der Umbau der Villa kosten, schätzt Teutonia-Mitglied Andre Knapp. Die laufenden Kosten will die Verbindung aus den Mieteinnahmen decken. „So eine Chance kommt nie wieder“, meint Knapp. Schon lange möchte die nach eigenen Angaben größte und älteste Freiburger Burschenschaft ein Haus in der Nähe der Uni kaufen.

Währenddessen gibt es Protest von der Antifa, die verhindern möchte, dass die „Teutonia“ das Haus bekommt. „Das wäre eine Katastrophe, wenn die in die Innenstadt kämen“, meint ein Vertreter. „Teutonia“ sei eine farbentragende und pflichtschlagende Verbindung, die im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) organisiert sei. Dieser sei bekannt für „geschichtsrevisionistische Propaganda, die Verbreitung eines völkischen Nationalismus und einen Hang zu autoritär-militaristischen Strukturen“. Die „Teutonia“ verwahrt sich hingegen gegen die Vorwürfe der Antifa. Vorfälle in anderen Städten würden fälschlicherweise mit der Freiburger „Teutonia“ in Zusammenhang gestellt. Hierbei handle es sich aber um andere Studentenverbindungen, die nur den gleichen Namen trügen und mit denen man nichts zu tun habe.

Am 23. Mai erschien ein weiterer Artikel in der „Badischen Zeitung“, in dem die „Burschenschaft Teutonia“ ihr Angebot konkretisiert:

Schon mehrfach hat die Studentenverbindung Teutonia angekündigt, dass sie die Villa am Werderring 11 kaufen möchte, in der bis zum vergangenen Sommer das Centre Culturel Français untergebracht war. Jetzt hat sie der Stadtverwaltung ein konkretes Angebot gemacht. Die Verwaltung reagierte allerdings verhalten: Man wolle zunächst die Bebauungsplanänderung abwarten, sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Schließlich gibt es andere Interessenten, die im Park der Villa zusätzliche Häuser errichten wollen. Und die wahrscheinlich mehr Geld bieten als die Teutonia, die an dem herrschaftlichen Anwesen nichts verändern möchte.

Zweimal hatte die Stadt die Villa bereits zum Verkauf ausgeschrieben - und nie einen Käufer gefunden, der das Anwesen so erhalten wollte, wie es ist. Deshalb beschloss der Bauausschuss im Februar, den Bebauungsplan für das Grundstück zu ändern: Ein- bis zwei dreigeschossige Häuser könnten dann zusätzlich im Park entstehen. Für sie müssten ein Kutscherhäuschen und ein Teil des Baumbestandes weichen. Viele Anwohner würden dies gerne verhindern, genauso wie die Teutonia. Sie kündigte bei der Bürgeranhörung im März an, das Grundstück kaufen zu wollen. Trotzdem hielt die Stadtverwaltung an den Plänen für die Bebauungsplanänderung fest. Es gebe noch kein konkretes Angebot, hieß es damals als Begründung. Dieses liegt jetzt vor: 1,5 Millionen Euro hat die Studentenverbindung der Stadtverwaltung für die Villa angeboten.

Die Verwaltung will trotzdem zunächst das Bebauungsplanverfahren abschließen. „Der Verkauf ist bis zum Herbst erst mal auf Eis gelegt“, sagt Lamersdorf. Die Stadtverwaltung wolle abwarten, welche Entwicklungsmöglichkeiten es auf dem Grundstück gebe: „Wir können es jetzt nicht unter Wert verkaufen.“ Die Stadt sei verpflichtet, mit ihrem Hab und Gut verantwortungsvoll umzugehen. Zwar habe man im Vorfeld vorgehabt, das Grundstück so zu verkaufen, wie es ist, erklärt Lamersdorf. Dann aber habe die Verwaltung während der Diskussion um den neuen Flächennutzungsplan erkannt, dass der Park der Villa noch Platz für weitere Häuser bietet. „Jetzt wo wir das wissen, können wir nicht den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob es diese Möglichkeit nicht gäbe“, sagt Lamersdorf. Letztendlich werde aber die Politik entscheiden: „Es ist ja durchaus möglich, dass der Gemeinderat die Pläne ablehnt.“

Dies sieht auch Andre Knapp von der Teutonia so: „Es gibt beide Strömungen und jetzt kommt es darauf an, wer sich durchsetzt.“ Natürlich sei es dem Kämmerer lieber, das Grundstück für mehr Geld zu verkaufen, meint Knapp: „Aber unsere Mittel sind begrenzt.“ Die Teutonia warte jetzt einfach ab, wie sich Verwaltung und Politik entscheiden. Das Anwesen sei für die Studentenverbindung, die im Moment ein Gebäude in der Wiehre bewohnt, ideal, um näher an die Uni zu rücken: „Aber wenn es nicht klappt, sind wir auch nicht todtraurig.“

Auf diesen Artikel und die falschen Behauptung der „Burschenschaft Teutonia“ reagierten wir am 25. Mai mit einem weiteren LeserInnenbrief:

Mit dem nun vorgelegten Angebot zum Kauf des ehemaligen Centre Culturel Français am Werderring hat die Studentenverbindung „Teutonia“ erneut ihre Ambitionen deutlich gemacht, das Leben an der Freiburger Universität aus nächster Nähe mit ihrem patriotischen und militaristischen Nonsens zu beeinflussen. Die Antifa Freiburg hat bereits im März dieses Jahres nach Bekanntwerden der Pläne auf die Mitgliedschaft der „Teutonia“ im rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ aufmerksam gemacht. Aus Angst vor schlechter Presse beschwichtigten die „Teutonen“ im März gegenüber der BZ, indem sie „Vorfälle“ anderen Studentenverbindungen mit gleichem Namen zuschrieben. Daß jedoch auch die „Teutonia Freiburg“ kein unbeschriebenes Blatt ist, was ihre Verbindungen zum nationalen Lager angeht, zeigen u.a. die folgenden beiden Beispiele:

Der Begründer und Vorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK) Siegfried Emmo Eulen war „Teutone“ in Freiburg. Eulen bekannte sich nach einem Artikel in der Wochenzeitung „Die Zeit“ im Jahre 1936 zu den Zielen, mit dem Volksbund „die heldische Lebensauffassung im deutschen Volk wiederzuerwecken, die Ehrenstätten unserer Gefallenen in aller Welt zu Mahnmalen deutscher Art auszugestalten und die Opferbereiten zu einer Gemeinschaft im Volksbund zu sammeln“. Bis heute relativiert der VDK deutsche Kriegsschuld und deutsche Kriegsverbrechen und bezeichnet den Nationalsozialismus lediglich als „unglückliche Entwicklung in Europa“.

Auch heute umgibt sich die „Burschenschaft Teutonia“ noch gerne mit Geschichtsrevisionisten. Im Mai 2004 lud sie zu einem Vortrag mit dem ehemaligen Kommandeur des Kommando Spezialkräfte (KSK) Reinhard Günzel zum Thema „Ethos des Offiziers der Bundeswehr“. Günzel wurde Ende 2003 unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassen, weil er dem CDU-Politiker Martin Hohmann zu seiner antisemitischen Rede zum Tag der Deutschen Einheit gratuliert hatte. Bekannt wurde Günzel auch durch seine Aussage, er erwarte von seinen Untergebenen „Disziplin wie bei den Spartanern, den Römern oder bei der Waffen-SS“. Seit seiner Entlassung wettert Günzel in Vorträgen bei rechten Burschenschaften gegen „Denkverbote“ und den „Zwang, der Singularität des Holocaust unsere Reverenz zu erweisen“. Auch vor gemeinsamen Auftritten mit NPD-Mitgliedern scheut er nicht zurück.

Es ist nicht hinnehmbar, stramm rechten Verbindungen noch mehr Raum in Freiburgs Stadtbild und an der Universität zu geben. Wir fordern die Stadtverwaltung erneut und nachdrücklich dazu auf, die Villa am Werderring nicht der „Teutonia“ zu überlassen.

Die „Teutonia“ hat am 19. Mai zusammen mit anderen rechten Burschenschaften am Burschentag in Eisenach teilgenommen. Außerdem betreibt sie aktive Nachwuchsarbeit, weswegen sie auch die größte Korporation Freiburgs ist. In ihrem Haus wohnt die „Schülerverbindung Badenia“, die an allen Freiburger Gymnasien keilt. Jeder weitere Einfluss der Burschenschaft muss verhindert werden.

Am 17. August berichtet die „Badischen Zeitung“, dass die Stadt die Villa im Werderring 11 nun doch nicht an die „Burschenschaft Teutonia“ verkauft:

Am Werderring wird es enger. Die Stadt hat der „Betriebsgesellschaft Karlsbau“ das ehemalige Centre Culturel Français am Werderring 11 verkauft. Das Immobilienunternehmen aus Saarbrücken will die herrschaftliche Villa sanieren und eventuell im rückwärtigen Teil des Grundstücks ein neues Gebäude errichten. Auch am Werderring 5 in unmittelbarer Nachbarschaft entsteht ein Neubau: Die Grafried Bauunternehmung plant hier ein vierstöckiges Appartementhaus neben der alten Villa, die sie umbauen will.

Seit 1977 besitzt die „Betriebsgesellschaft Karlsbau“ das gleichnamige Gebäude am Leopoldring. „Wir hatten schon lange vor, ein weiteres Objekt in der Stadt zu erwerben“, sagt Geschäftsführer Jürgen Lichterfeld. Deshalb sei das Angebot für den Werderring 11 gerade richtig gekommen: „Das ist ein sehr schönes Anwesen in einer exponierten Lage.“ Über den Kaufpreis wollen sich sowohl Stadtverwaltung als auch äußern. Sein Unternehmen habe allerdings mehr bezahlt als die von der Stadt zunächst angesetzten 1,5 Millionen Euro, sagt Lichterfeld. Nach BZ-Informationen hat der Investor 1,8 Millionen Euro geboten - und deshalb jetzt den Zuschlag für das Objekt bekommen.

Die Stadt hatte zuvor mehrfach ohne Erfolg versucht, das Anwesen zu verkaufen. Deshalb beschloss der Bauausschuss im Februar, den Bebauungsplan für das 2600 Quadratmeter große Grundstück so zu ändern, dass der Investor im rückwärtigen Teil des Grundstücks zusätzlich ein bis zwei Häuser errichten darf. Dieses Verfahren läuft noch. „Die Verwaltung hat dem Käufer allerdings zugesichert, dass er mindestens 600 Quadratmeter des Grundstücks bebauen darf“, sagt Lamersdorf. Sollte dies am Gemeinderat scheitern, darf die „Betriebsgenossenschaft Karlsbau“ vom Kauf zurücktreten. Ein zusätzliches Haus komme nur in Frage, wenn es „im Einklang mit der Nutzung der Villa“ stehe, sagt Lichterfeld. Diese solle umgebaut und saniert werden. Als Nutzer seien zum Beispiel „ein gehobenes Bildungsinstitut oder eine medizinische Einrichtung“ vorstellbar.

Die Studentenverbindung Teutonia, die derzeit in der Wiehre residiert, hatte sich ebenfalls für das Gebäude interessiert und 1,5 Millionen Euro geboten (die BZ berichtete). „Wenn noch nicht raus ist, was konkret mit dem Gebäude passiert, haben wir vielleicht doch noch eine Chance“, sagt Teutonia-Mitglied Andre Knapp. Die Verbindung hatte betont, dass sie das Anwesen am Werderring samt altem Baumbestand und ehemaligem Kutscherhäuschen nicht verändern wolle - was im Sinne vieler Anwohner gewesen wäre. Aber: „Es ist verständlich, dass die Stadt mehr Geld verdienen will“, räumt Knapp ein.

Genau wie die „Betriebsgesellschaft Karlsbau“ möchte sich auch die Grafried Bauunternehmung nicht über den Kaufpreis ihres Objekts äußern. Sie hat die Villa am Werderring 5 gekauft, die zuletzt der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gehörte. Hier hatte einst Verdi-Vorläufer Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) ihren Sitz. In der Villa aus dem 17.Jahrhundert sollen fünf Eigentumswohnungen entstehen. Im rückwärtigen Teil des Grundstücks plant das Unternehmen ein vierstöckiges Appartementhaus mit Flachdach, in das vier Parteien einziehen können. Sowohl mit dem Umbau als auch mit dem Neubau will Grafried noch 2005 beginnen, damit die Wohnungen im Frühsommer 2006 bezugsfertig sind.

Abschließend veröffentlichten wir am 8. September ein Communiqué, in dem wir eine weitere Auseinandersetzung mit der „Burschenschaft Teutonia“ anmahnen:

Wir begrüßen die Entscheidung der Stadt Freiburg, die Villa am Werderring 11 nicht an die „Burschenschaft Teutonia“ zu verkaufen. Dadurch konnte verhindert werden, dass die stramm rechte Korporation ihr antiemanzipatorisches Programm noch besser in der Stadt verbreiten kann.

Es ist nicht hinnehmbar, dass die im rechtsradikalen Dachverband organisierten Freiburger „Teutonen“ weiter wie am 19. Mai 2005 auf dem „Deutschen Burschentag“ in Eisenach mit Nazis der NPD kooperieren. Durch ihre aktive Nachwuchsarbeit an allen Freiburger Gymnasien mittels der auf ihrem Haus wohnenenden und im „Pennäler Kartell Baden“ organisierten farbentragenden Schülerverbindung „Badenia“ versuchen sie ihre reaktionären Ansichten auch abseits der Uni zu verbreiten.

Die Auseinandersetzung in der Badischen Zeitung und im Gemeinderat um die „Burschenschaft Teutonia“ war notwendig und muss weitergeführt werden. Auch wenn die Burschen, die auf einen langen Atem durch ihre Subventionierung durch die „alten Herren“ bauen, sich jetzt kleinlaut ducken, weisen wir noch einmal auf dieses rechte Zentrum in der Wiehre hin.

Burschen raus aus Protestbewegungen

Im Mai begannen in Freiburg die Studiproteste. Am 2. Mai wurde das Rektorat der Universität besetzt. Am 5. Mai versuchten Korporierte des „Corps Rhenania“ die BesetzerInnen zu infiltrieren. Am 6. Mai wurden die Studierenden von besoffenen Mitgliedern der „KDStV Hohenstaufen“ bewaffnet provoziert.

Die Besetzt Zeitung #2 berichtete am 9. Mai unter dem Titel „Schmisse rausgeschmissen“ über die Provokationen:

Freitag Nacht nach ein Uhr tauchten drei Burschen beim Rektorat auf. Sichtbar betrunken kamen sie in Uniform und mit Säbeln bewaffnet. Wir forderten sie mehrere Minuten erfolglos auf zu gehen. Dann kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Burschen uns zwei leere Bierkrüge vor die Füße warfen. Plötzlich mussten zwei der Burschen den Dritten zurückhalten. Er hatte begonnen, seinen Säbel zu ziehen. Wir fragen: Warum? Wie kommt ein Mensch auf die Idee, eine tödliche Waffe zu ziehen?

Aber selbst wenn der Bursche in Vollwichs niemanden schwer verletzen wollte, so stellt die Provokation doch einen Affront der friedlichen Besetzung dar. Die Korporierten der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Hohenstaufen wollten eine Reaktion hervorrufen. Sie wollten durch Gewalt Gegengewalt erzeugen. Ihr Kalkül ist nicht aufgegangen, denn wir haben die Waffenbrüder lediglich vertrieben. Genausowenig ging der Plan des Corps Rhenania auf, am Donnerstag neue Mitglieder durch Bier, billige Mieten und geldwerte Verbindungen zu ködern.

Wen widern nicht Männlichkeitsrituale wie Strafsaufen und Mutprobenfechten an? Wen begeistern noch Verbindungen von Elitedenken und Traditionsfixiertheit? Wer findet schon Schmisse sexy?

Wir schrieben einen Bericht mit dem Titel „Studentenverbindungen versuchen Studierendenproteste zu instrumentalisieren“ für burschis.de.vu:

In Freiburg wurde am 2. Mai 2005 das Unirektorat von Studierenden aus Protest gegen Studiengebühren besetzt. Am 5. Mai tauchten Korporierte des Corps Rhenania im Plenum der BesetzerInnen auf und kündigten ihr Erscheinen für den Abend an. Die Stimmung unter den Studierenden war, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gegen sie gerichtet. Am Abend kamen sieben farbentragende Verbindungsstudenten mit drei Kisten Bier und versuchten sogleich neue Mitglieder zu keilen. Einige mittlerweile anwesende antifaschistische Studierende glaubten ihren Augen nicht zu trauen und vertrieben sie umgehend. Es wurde noch am selben Abend mit Aufklärungsarbeit über Studentenverbindungen begonnen.

Am Abend des 6. Mai versuchten Korporierte der Katholischen Deutschen Studentenverbindung Hohenstaufen in Zivil ins Rektorat zu gelangen, wurden aber sofort identifiziert und verjagt. In derselben Nacht erschienen um 1.15 Uhr drei betrunkene Mitglieder der KDStV Hohenstaufen in vollem Wichs mit Bierkrügen und Säbeln. Sie wurden aufgefordert zu gehen, folgten dieser Aufforderung aber nicht. Daraufhin kam es zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf die Korporierten ihre Bierkrüge in Richtung der BesetzerInnen auf den Boden warfen. Ein Uniformierter versuchte seinen Säbel zu ziehen, wurde jedoch von den anderen beiden daran gehindert. Daraufhin wurden die Verbindungsstudenten erneut vertrieben.

Es wurde auf Indymedia, in der Besetzt Zeitung und auf der Website der Antifa über die Vorfälle berichtet. Aufgrund der dummdreisten Handlungen der Korporierten und der Informationskampagne konnte in den folgenden Tagen eine gegen Studentenverbindung gewandelte Stimmung unter den meisten BesetzerInnen beobachtet werden. Am 18. Mai berichtete die Badische Zeitung über die Ereignisse und bestätigte die bisherigen Berichte.

Auch die „Badische Zeitung“ berichtete am 18. Mai über die Vorfälle am Rektorat:

Unterdessen wurde bekannt, dass am 5. und 6. Mai farbentragende Corps-Studenten im besetzten Rektorat Nachwuchs rekrutieren wollten. Wie mehrere Augenzeugen gegenüber der BZ bestätigten, hätten zweimal je sechs bis acht Korporierte im Plenum mit Bier und günstigem Wohnraum für ihre Burschenschaft geworben, mal in Zivil, mal in Montur. Am 7. Mai gegen 1.15 Uhr hätten dann drei Mitglieder der KDStV Hohenstaufen in vollem Wichs Besetzer vor dem Gebäude mit Bierkrügen beworfen. Einer habe vergeblich versucht, seinen im „Duell“ gebräuchlichen Säbel zu zücken. Besetzer hätten daraufhin die Burschen in die Flucht geschlagen.

Das rechte Umsonstblättchen „Stadtkurier“ versuchte am Mai mit einem plumpen Pro-Korporationen-Artikel das in der Öffentlichkeit stark ramponierte Bild der Burschen zu retten.

Am Rande sei noch erwähnt, dass Rektor Jäger, dessen Rücktritt die Studierenden forderten, zur 550-Jahr Feier der Universität 2006 den korporierten Papst einladen wollte, wie „Der Sonntag“ uns am 29. Mai süffisant zitierte.

Gegen korporierten Geschichtsrevisionismus

In der „Besetzt Zeitung“ #8 vom 8. Juni wurden Termine von Veranstaltungen bei Freiburger Verbindungen veröffentlicht. Am 9. Mai hatte die „KDStV Hercynia“ den alten Herren Boeselager eingeladen. Offenbar aus Protest gegen ihm vorgeworfene Geschichtsfälschungen wurde den „Hercynen“ noch während des Vortrages die Fahne geklaut.

Keine Korporation ist akzeptabel!