Zu diesem offenen Brief gibt es ein Anschreiben des iz3w.

An die

Gemeinderätinnen und Gemeinderäte
der Stadt Freiburg i.Br.

Freiburg, im März 2005

Offener Brief zur geplanten Streichung des städtischen Zuschusses für die Aktion Dritte Welt e.V.

Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der Stadt Freiburg,

am 19. April müssen Sie über den von der Stadtverwaltung eingebrachten Haushaltsplan 2005/ 2006 entscheiden. Er sieht bedauerlicherweise die vollständige Streichung des städtischen Zuschusses für die Aktion Dritte Welt e.V. (ADW) vor. Er hatte sich ursprünglich auf 25.000 DM belaufen, war im Laufe der Jahre auf 5.000 Euro gekürzt worden und soll nun gänzlich entfallen.

Dass wir uns in dieser Sache erst jetzt an Sie wenden, beruht auf der mangelnden Information durch das zuständige Dezernat I. Entgegen einem Brief vom 23.11.2004, in dem angekündigt wurde, dass „betroffene Träger eine gesonderte Information mit konkreten Aussagen zu den vorgesehenen Kürzungen“ erhalten, wurde die ADW bis zum heutigen Tag mit keinem Wort über die bevorstehende Streichung offiziell informiert. Abgesehen davon, das eine solche Informationspolitik dem Anspruch auf Bürgerbeteiligung nicht gerecht wird, halten wir die Streichung des Zuschuss aus den folgenden Gründen für falsch:

Die ADW betreibt seit 1970 das informationszentrum 3. welt (iz3w). Innenstadtnah in der Kronenstr. 16a. gelegen, haben Freiburgerinnen und Freiburger aller Altersstufen und Nationalitäten hier an fünf Tagen in der Woche die Möglichkeit, kostenlos Informationen über die Länder der so genannten Dritten Welt zu bekommen. Gleich ob es sich um Fairen Handel, Globalisierung, Entwicklungspolitik, interkulturelle Begegnung oder Praktika im Ausland handelt - in der Regel kann das iz3w mit gezielten Informationen weiterhelfen. Das öffentlich zugängliche Archiv des iz3w ist in seiner Art einzigartig, sein Angebot wird von keiner anderen Institution in Freiburg und in ganz Baden-Württemberg abgedeckt. Es werden über 200 deutsche und internationale Zeitschriften und Zeitungen ausgewertet. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die Herausgabe der iz3w, eine der wichtigsten entwicklungs-politischen Zeitschriften im deutschsprachigen Raum (siehe www.iz3w.org).

Die ADW organisiert regelmäßig politische und kulturelle Veranstaltungen und Seminare zu Dritte-Welt-Themen in Freiburg, die auf großes Interesse stoßen. Zuletzt hat sie Anfang 2005 in Kooperation mit dem Kommunalen Kino eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Deutscher Kolonialismus in Afrika“ ins Leben gerufen, die sehr gut besucht war und in den Freiburger Medien großen Anklang fand.

Als Anlaufstelle und Kristallisationspunkt für Dritte-Welt-Aktivitäten aller Art hat die ADW eine wichtige Funktion innerhalb des Stadtlebens inne. Sie unterstützt aktiv mehrere Freiburger Initiativen der internationalen Solidaritätsarbeit. Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft mit Wiwilí sowie die Informationsstelle Peru nutzen die Infrastruktur der ADW für ihre Arbeit und haben dort Büroräume. Beide Organisationen werden maßgeblich von ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ADW getragen. Gleiches gilt für die deutsche Geschäftsstelle der internationalen Organisation ECPAT, die gegen Kinderprostitution in Dritte-Welt-Ländern und in Osteuropa kämpft. Sie erhielt in der Gründungsphase intensive institutionelle Unterstützung durch die ADW und konnte sich erst durch diese Starthilfe mit einem eigenen Büro im Haus 37 im Stadtteil Vauban selbstständig machen. Jeden Freitagabend bietet das Südbadische Aktionsbündnis gegen Abschiebungen (SAGA) in den Räumen der ADW unbürokratische und mehrsprachige Beratung für Flüchtlinge an.

Wir halten es in einer Zeit, in der alle Parteien und Kirchen zu Recht die gemeinsame Verantwortung für eine sozial und ökologisch gerechte Gestaltung der Globalisierung betonen, für ein falsches Signal, dass die Stadt Freiburg nun ausgerechnet an dieser Stelle sparen will. Ohne die städtischen Gelder ist der Fortbestand des breit gefächerten und bislang kontinuierlichen Informationsangebotes der ADW für die Freiburger Bevölkerung nicht aufrechtzuerhalten.

Als besorgte Freiburger Bürgerinnen und Bürger wenden wir uns daher mit der dringenden Bitte an Sie, sich für den Erhalt des Zuschusses für die ADW e.V. einzusetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Name, Unterschrift (Funktion/Beruf)